Costa Rica

Da stand ich also im Niemandsland, zwischen Panama und Costa Rica, mußte schauen, dass ich zwischen den losen Holzplanken und rostigen Geländern nicht in den, wahrscheinlich mit allerlei Reptilien verseuchten Grenzfluß fiel und nebenbei noch ein paar in Zeitlupengeschwindigkeit fahrenden Trucks ausweichen, welche die Behörden allen Ernstes noch über dieses Brückenschmuckstück schickten. Doch trotzdem: dies sind die Momente, in denen man sich als wahrer Reisender fühlt, als jemand, der mit all seinem Hab und Gut auf dem Rücken etwas Unbekanntem entgegenläuft – und sich dabei diebisch freut und mehr als nur frei fühlt.

Waiting for leaving Panama - Border Panama to Costa Rica at the Caribbean

Angekommen auf der anderen Seite, wartete eine relativ gelassene Einwanderungsbehörde auf mich. Meinen Fake-Weiterflug, welchen ich extra gebucht hatte im Vorfeld, wollte niemand sehen (im Gegensatz zu all den anderen um mich rum, die fein säuberlich nachweisen mußen, dass sie bald wieder raus aus Costa Rica sind) – vielleicht lag es einfach an dem sympathischen “Student” als Beruf, welchen ich bisher in allen lateinamerikanischen Ländern auf das Einreiseformular geschrieben hatte. Es scheint niemanden Angst zu machen, zu entkräften, zu suggerieren, dass ich hier nicht bleiben will. Und mal ganz ehrlich: Was bin ich?! Was ist mein Beruf im Moment?! Da kann ich mich am ehesten noch als jemand identifizieren, der die Welt studiert. Nun offiziell in der mittelamerikanischen Schweiz, wurde auch meine “diebische Freiheitsfreude” stark gestutzt, denn ruckzuck saß ich mit 4 anderen Travelern schon wieder im costaricanischem Teil des Shuttles – eine bequeme Art um nach Puerto Viejo zu kommen, wo wir auch eine halbe Stunde später einrollten.

Puerto Viejo (de Talamanca) – Costa Rica (27. April – 4. Mai 2012):

Pagalú Hostel - Puerto Viejo (de Talamanca)

Puerto Viejo (de Talamanca) ist ein verschlafenes, kleines Nest an der karibischen Küste, bei Surfern und Travelern bekannt für seine stärkste Welle des Landes (Salsa Brava) und ein paar schöne Strände (Playa Chiquita, Playa Negra, Punta Uva) hin zum Nachbarort Manzanillo. Mindestens ebenso bekannt ist es allerdings neben seinen Ticos & Ticas (Costa Ricanianer/innen) für seinen hohen Anteil an jamaikanischen Blut – Rastalocken wo das Auge hinschaut. Und sorry Klischee, aber auch Joints und Marihuana wo das Auge hinschaut bzw. die Nase schnüffelt. Hier war definitiv karibisches Flair bis zum abwinken, und so ließ ich mich erstmal beim Pagalú Hostel absetzen, hatte ich doch gutes darüber gehört und gelesen im Vorfeld. Es waren sogar noch ein paar Betten im Dormitory frei, und mit meinem Plan, ein bis zwei Nächte zu bleiben, startete ich in eine mehr als einwöchige, fantastische und erholsame Zeit in einem in jeglicher Hinsicht mehr als nur genialem Hostel. Denn sowas hatte ich schon lang nicht mehr gesehen. Mike, welcher lange Zeit in München gelebt hatte, baute diese Schmuckstück innerhalb weniger Jahre von Grund auf selbst. Und meine Herren, man merkte, dass er definitiv schon gereist war – durchdacht bis in Äußerste!! Deutsche Handwerksqualität & Strukturiertheit trifft auf costaricanisches Pura Vida. Offene, gut ausgestattete Küche, gemütlicher Aufenthaltsbereich sowie Sitzecke, und informativ freundliche Rezeption alles in einem geräumigen Raum und verschmolzen miteinander. Dazu geräumige Dormitorys mit großen Lockern, Ventilatoren in jedem Bett, heiße Duschen (was definitiv unüblich ist an der Karibik), ein netter Garten und ein ordentlich fauler Wachhund namens Teddy. Ein Glücksgriff an Hostel! Dazu kamen noch nette Angestellte, allen voran “Jorge el Suizo” und glücklicherweise auch verdammt verträgliche Zimmergenoss(inn)en. Überhaupt, die Schweiz war stark vertreten, diesmal (und wie so oft) von ihrer angenehmen Seite. Martina & Nadine hatten ihre letzten Tage vor sich und wollten nochmal an der Karibik ausspannen, bevor es einige Tage später von der Hauptstadt San Jose zurück nach Zürich ging. Sie waren unterwegs mit Nicole & Sandra, welche auf dem Weg Richtung Süden (Panama und weiter) waren. Ein Tag später stieß auch noch Miguel dazu, ein schweizerischer Franzosenspanier aus Basel, mit dem ich noch so einiges erleben sollte. Und nebenbei gab es auch noch Adi, eine Israelin, die ich im Shuttle kennengelernt hatte und die irgendwie auch schon jeden kannte. Eine große Familie irgendwie, sind doch die Länder und Routen im unteren Teil von Mittelamerika wieder ähnlich wie in Neuseeland – eine große Straße (Panamericana) nach der sich die meisten richten.

Discovering Puerto Viejo - Puerto Viejo (de Talamanca)

Das jamaikanisch-karibische Flair merkten wir auch schnell im Nachtleben. Ob Mango’s oder Johnny’s Place – es ging ab. Bestes Frühstück im Bread & Chocolate, gutes Sushi und grandiose Pasta im Flip Flop – die Stadt hatte für ihre Größe mehr zu bieten als ich anfangs auch nur erahnte. Und nebenbei immer wieder lustiges Beisammensein mit Schweizern, Schweizern und Schweizern. Obwohl, für eine Nacht unterstützte die für’s Wochenende aus San Jose eingetroffene Christina (GER) & Anna (DK) unsere lang andauernde Diskussion, wie denn nun Männer aus Panama genannt werden? Panamanier, Pananier, Pananesen, Panamanesen, Panamaer oder einfach wie Miguel und ich es am Ende festsetzen (um der ausufernden Begeisterung des weiblichen Teils der Gruppe für eben diesen Typ Mensch Einhalt zu gebieten) – Panaman. Die Tage zogen dahin, die Schweizerinnen Martina/Nadine & Nicole/Sandra ab, Miguel blieb und schloß sich meiner Strategie an, jeden Tag um noch einen weiteren zu verlängern, und Norman, ein Radolfzeller (!!), schlug auf. Der Supermarkt war genau 50m entfernt, die Küche wie bereits erwähnt sauber, genial und kommunikativ. Es machte einfach Spaß in den Tag reinzuleben und sich von Minute zu Minute zu überlegen, was denn als nächstes so ansteht.

Bei mir war ungeplanterweise eine Boa Constrictor, über die ich nachts auf dem Rückweg vom Tasty Waves mal so eben stolperte. Der “Takillya” hatte meine Gefahrensensoren schon ein wenig beeinträchtigt und vernebelt, als ich eben mal eine ordentlich Boa für einen Stock bzw. irgendwelches unnützes Grünzeug hielt und einfach drüber hinwegspazierte. Erst die hinter mir her schwankenden Kollegen und Kolleginnen machten mich auf meine Fehleinschätzung aufmerksam, aber für darauffolgende Fotosessions stellte sich die Schlange leider nicht mehr zur Verfügung. Im Gegenteil, sie stellte auf angepissten Verteidigungsmodus anstatt sich zu bedanken, dass wir sie auf ihre delikate Straßenlage aufmerksam gemacht hatten – denn ein Auto mit lauter betrunkenen Ticos (keine Seltenheit zu diesen Uhrzeiten und in diesen Ländern) wäre einfach mal drüber weggerauscht. Ein paar Tonnen Blech muß auch eine Boa erstmal wegstecken…

Gallerie mit allen Bildern zu Costa Rica – Puerto Viejo:
(direkt zu finden auch unter Google+ oder selbstgehostet als Menalto Gallery3)

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La Fortuna & Volcán Arenal, Santa Elena & Monteverde – Costa Rica (4-7. Mai 2012):

White Water Rafting - Rio Pacuare, Costa Rica

Der Zeitdruck nagte an der Gelassenheit, wollte ich doch in der zweiten Mai-Woche schon in Nicaragua sein, u.a. um die zwei Schweizerinnen Sarah & Sabrina wiederzutreffen, welche ich noch aus Ecuadorzeiten kannte und welche sich nun durch einen zwischenzeitlichen Kubaflug südwärts in Mittelamerika bewegten. Überhaupt Costa Rica war teuer, Nicaragua das verheißungsvollere El Dorado in Sachen billigem Überleben und so wurde nach Abreise von Miguel und Norman der Schlachtplan entworfen, den wichtigen Rest von Costa Rica im Tagesrhythmus zu erkunden. Am nächsten Tag (4. Mai 2012) ging es also in einer Kombi von White Water Rafting Tour auf dem Rio Pacuare (ein weltweit beliebter Fluß inmitten des Regenwaldes für Rafting oder ähnliches – spaßig!!) und Shuttle direkt weiter nach La Fortuna, wo direkt vor der Haustür der Vocán Arenal steht, der jüngste Costa Ricas und einer der aktivsten der Welt. Nach einem Megaausbruch im Jahr 1968, bei dem ganze Ortschaften inkl. 87 Menschen “zerstört” wurden, und ordentlichen Eruptionen mit ganzen 8 Lavaströmen (!!) inkl. Nationalparkevakuierung im Mai 2010, war allerdings im Moment nicht mehr viel zu sehen.

El Arenal during Jeep-Boat-Jeep - La Fortuna -> Monteverde, Costa Rica

Allerdings ein schönes Stück Natur in den höheren Lagen Costa Ricas und doch kommerziell und touristisch brutalst erschlossen mit einer ungeheuren Auswahl an möglichen Touren. Eine einfache Wanderung mit Guide kostete für wenige Stunden allerdings schon jenseits der 100 US$, ganz zu schweigen von noch exorbitanteren Preisen für Abenteuer wie Canopy oder ganz einfachen Spa- & Wellness-Angeboten. Trotz nettem Abend im Arenal Backpacker’s Ressort mit zufälligen Bekannten wie Justine, die mich wohl im Tasty Waves kurz vor dem Schlangenunfall erspäht hatte, buchte ich aufgrund absoluter Tour-Reizüberflutung als einziges eine Jeep-Boat-Jeep-Tour für US$22 am nächsten Nachmittag zur nächsten Station: Monteverde und Santa Elena inmitten des costa-ricanischen Nebelwalds. Und hallo, ein wunderschön sonniger Tag machte diese einfache Weiterreise zu einer pittoresken Fahrt über die Laguna de Arenal mit anschließendem Weitertransport per Jeep bis nach Santa Elena.

Canopy - Santa Elena / Monteverde

Hier angekommen, checkte ich in der Pension Santa Elena ein, spottbillig für hiesige Verhältnisse und mit ordentlichem Backpackerflair. Auf dem Boot hatte ich Will & James kennengelernt, zwei englische Ölbohrplattform-Manager, die ihren Job an den Nagel gehängt hatte und nun Mittelamerika per Fahrrad durchquerten – sie sollten meine Essens- und Tourkumpanen der nächsten Tage werden, gesegnet mit einem fantastischen “British English”. Auf der Suche nach allerlei Getier wie zum Beispiel Faultieren, Jaguars, diversen Affenarten und übelsten Giftschlagen wanderten wir nachts durch den Nebelwald, welcher gleichzeitig als Reserva Biológica Bosque Nuboso Monteverde ein knapp über 10.000 Hektar großes costa-ricanisches Schutzgebiet ist. Tagsüber schwirrten wir im Canopy Aventura Park an Stahlseilen durch und über die Baumwipfel (Superman) oder 40m per freien Fall in die Tiefe bevor das Seil griff und einen wie an Lianen durch die Äste schwingen ließ (Tarzan Swing). Zwei definitiv lustige Tage an den Berghängen der Massivs Cordillera de Tilarán. Gern wäre ich noch länger geblieben, doch nun rächte sich meine Gemütlichkeit von Puerto Viejo. Und da ich mich grob für den nächsten Tag mit Sarah & Sabrina in Nicaragua verabredet hatte, setzte ich mich am nächsten Morgen des 7. Mai 2012 (5 Uhr) in den Transmonteverde-Schrottbus Richtung Panamericana (Lagartos), um von dort mit einem weiteren rangewinkten Bus bis nach Liberia zu kommen. Von dort ein weiterer Bus den uns (zwei Kanadierinnen Lindsay & Fehn waren auf der gleichen Strecke unterwegs) nette Ticos ranwinkten und wo sich einmal mehr das Spanisch bezahlt machte, und schon waren wir in Penas Blancas an der Grenze zu Nicaragua. Rückblickend ein tolles und abwechslungsreiches Land dieses Costa Rica, jedoch touristisch leider schon viel zu stark erschlossen, zumindest die wenigen Ecken, die ich mir angesehen hab. Ich bin gespannt auf die anderen Ecken eines Tages…

Gallerie mit allen Bildern zu Costa Rica – La Fortuna & Monteverde:
(direkt zu finden auch unter Google+ oder selbstgehostet als Menalto Gallery3)

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Sorry, this entry is only available in Deutsch.

Da stand ich also im Niemandsland, zwischen Panama und Costa Rica, mußte schauen, dass ich zwischen den losen Holzplanken und rostigen Geländern nicht in den, wahrscheinlich mit allerlei Reptilien verseuchten Grenzfluß fiel und nebenbei noch ein paar in Zeitlupengeschwindigkeit fahrenden Trucks ausweichen, welche die Behörden allen Ernstes noch über dieses Brückenschmuckstück schickten. Doch trotzdem: dies sind die Momente, in denen man sich als wahrer Reisender fühlt, als jemand, der mit all seinem Hab und Gut auf dem Rücken etwas Unbekanntem entgegenläuft – und sich dabei diebisch freut und mehr als nur frei fühlt.

Waiting for leaving Panama - Border Panama to Costa Rica at the Caribbean

Angekommen auf der anderen Seite, wartete eine relativ gelassene Einwanderungsbehörde auf mich. Meinen Fake-Weiterflug, welchen ich extra gebucht hatte im Vorfeld, wollte niemand sehen (im Gegensatz zu all den anderen um mich rum, die fein säuberlich nachweisen mußen, dass sie bald wieder raus aus Costa Rica sind) – vielleicht lag es einfach an dem sympathischen “Student” als Beruf, welchen ich bisher in allen lateinamerikanischen Ländern auf das Einreiseformular geschrieben hatte. Es scheint niemanden Angst zu machen, zu entkräften, zu suggerieren, dass ich hier nicht bleiben will. Und mal ganz ehrlich: Was bin ich?! Was ist mein Beruf im Moment?! Da kann ich mich am ehesten noch als jemand identifizieren, der die Welt studiert. Nun offiziell in der mittelamerikanischen Schweiz, wurde auch meine “diebische Freiheitsfreude” stark gestutzt, denn ruckzuck saß ich mit 4 anderen Travelern schon wieder im costaricanischem Teil des Shuttles – eine bequeme Art um nach Puerto Viejo zu kommen, wo wir auch eine halbe Stunde später einrollten.

Puerto Viejo (de Talamanca) – Costa Rica (27. April – 4. Mai 2012):

Pagalú Hostel - Puerto Viejo (de Talamanca)

Puerto Viejo (de Talamanca) ist ein verschlafenes, kleines Nest an der karibischen Küste, bei Surfern und Travelern bekannt für seine stärkste Welle des Landes (Salsa Brava) und ein paar schöne Strände (Playa Chiquita, Playa Negra, Punta Uva) hin zum Nachbarort Manzanillo. Mindestens ebenso bekannt ist es allerdings neben seinen Ticos & Ticas (Costa Ricanianer/innen) für seinen hohen Anteil an jamaikanischen Blut – Rastalocken wo das Auge hinschaut. Und sorry Klischee, aber auch Joints und Marihuana wo das Auge hinschaut bzw. die Nase schnüffelt. Hier war definitiv karibisches Flair bis zum abwinken, und so ließ ich mich erstmal beim Pagalú Hostel absetzen, hatte ich doch gutes darüber gehört und gelesen im Vorfeld. Es waren sogar noch ein paar Betten im Dormitory frei, und mit meinem Plan, ein bis zwei Nächte zu bleiben, startete ich in eine mehr als einwöchige, fantastische und erholsame Zeit in einem in jeglicher Hinsicht mehr als nur genialem Hostel. Denn sowas hatte ich schon lang nicht mehr gesehen. Mike, welcher lange Zeit in München gelebt hatte, baute diese Schmuckstück innerhalb weniger Jahre von Grund auf selbst. Und meine Herren, man merkte, dass er definitiv schon gereist war – durchdacht bis in Äußerste!! Deutsche Handwerksqualität & Strukturiertheit trifft auf costaricanisches Pura Vida. Offene, gut ausgestattete Küche, gemütlicher Aufenthaltsbereich sowie Sitzecke, und informativ freundliche Rezeption alles in einem geräumigen Raum und verschmolzen miteinander. Dazu geräumige Dormitorys mit großen Lockern, Ventilatoren in jedem Bett, heiße Duschen (was definitiv unüblich ist an der Karibik), ein netter Garten und ein ordentlich fauler Wachhund namens Teddy. Ein Glücksgriff an Hostel! Dazu kamen noch nette Angestellte, allen voran “Jorge el Suizo” und glücklicherweise auch verdammt verträgliche Zimmergenoss(inn)en. Überhaupt, die Schweiz war stark vertreten, diesmal (und wie so oft) von ihrer angenehmen Seite. Martina & Nadine hatten ihre letzten Tage vor sich und wollten nochmal an der Karibik ausspannen, bevor es einige Tage später von der Hauptstadt San Jose zurück nach Zürich ging. Sie waren unterwegs mit Nicole & Sandra, welche auf dem Weg Richtung Süden (Panama und weiter) waren. Ein Tag später stieß auch noch Miguel dazu, ein schweizerischer Franzosenspanier aus Basel, mit dem ich noch so einiges erleben sollte. Und nebenbei gab es auch noch Adi, eine Israelin, die ich im Shuttle kennengelernt hatte und die irgendwie auch schon jeden kannte. Eine große Familie irgendwie, sind doch die Länder und Routen im unteren Teil von Mittelamerika wieder ähnlich wie in Neuseeland – eine große Straße (Panamericana) nach der sich die meisten richten.

Discovering Puerto Viejo - Puerto Viejo (de Talamanca)

Das jamaikanisch-karibische Flair merkten wir auch schnell im Nachtleben. Ob Mango’s oder Johnny’s Place – es ging ab. Bestes Frühstück im Bread & Chocolate, gutes Sushi und grandiose Pasta im Flip Flop – die Stadt hatte für ihre Größe mehr zu bieten als ich anfangs auch nur erahnte. Und nebenbei immer wieder lustiges Beisammensein mit Schweizern, Schweizern und Schweizern. Obwohl, für eine Nacht unterstützte die für’s Wochenende aus San Jose eingetroffene Christina (GER) & Anna (DK) unsere lang andauernde Diskussion, wie denn nun Männer aus Panama genannt werden? Panamanier, Pananier, Pananesen, Panamanesen, Panamaer oder einfach wie Miguel und ich es am Ende festsetzen (um der ausufernden Begeisterung des weiblichen Teils der Gruppe für eben diesen Typ Mensch Einhalt zu gebieten) – Panaman. Die Tage zogen dahin, die Schweizerinnen Martina/Nadine & Nicole/Sandra ab, Miguel blieb und schloß sich meiner Strategie an, jeden Tag um noch einen weiteren zu verlängern, und Norman, ein Radolfzeller (!!), schlug auf. Der Supermarkt war genau 50m entfernt, die Küche wie bereits erwähnt sauber, genial und kommunikativ. Es machte einfach Spaß in den Tag reinzuleben und sich von Minute zu Minute zu überlegen, was denn als nächstes so ansteht.

Bei mir war ungeplanterweise eine Boa Constrictor, über die ich nachts auf dem Rückweg vom Tasty Waves mal so eben stolperte. Der “Takillya” hatte meine Gefahrensensoren schon ein wenig beeinträchtigt und vernebelt, als ich eben mal eine ordentlich Boa für einen Stock bzw. irgendwelches unnützes Grünzeug hielt und einfach drüber hinwegspazierte. Erst die hinter mir her schwankenden Kollegen und Kolleginnen machten mich auf meine Fehleinschätzung aufmerksam, aber für darauffolgende Fotosessions stellte sich die Schlange leider nicht mehr zur Verfügung. Im Gegenteil, sie stellte auf angepissten Verteidigungsmodus anstatt sich zu bedanken, dass wir sie auf ihre delikate Straßenlage aufmerksam gemacht hatten – denn ein Auto mit lauter betrunkenen Ticos (keine Seltenheit zu diesen Uhrzeiten und in diesen Ländern) wäre einfach mal drüber weggerauscht. Ein paar Tonnen Blech muß auch eine Boa erstmal wegstecken…

Gallerie mit allen Bildern zu Costa Rica – Puerto Viejo:
(direkt zu finden auch unter Google+ oder selbstgehostet als Menalto Gallery3)

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La Fortuna & Volcán Arenal, Santa Elena & Monteverde – Costa Rica (4-7. Mai 2012):

White Water Rafting - Rio Pacuare, Costa Rica

Der Zeitdruck nagte an der Gelassenheit, wollte ich doch in der zweiten Mai-Woche schon in Nicaragua sein, u.a. um die zwei Schweizerinnen Sarah & Sabrina wiederzutreffen, welche ich noch aus Ecuadorzeiten kannte und welche sich nun durch einen zwischenzeitlichen Kubaflug südwärts in Mittelamerika bewegten. Überhaupt Costa Rica war teuer, Nicaragua das verheißungsvollere El Dorado in Sachen billigem Überleben und so wurde nach Abreise von Miguel und Norman der Schlachtplan entworfen, den wichtigen Rest von Costa Rica im Tagesrhythmus zu erkunden. Am nächsten Tag (4. Mai 2012) ging es also in einer Kombi von White Water Rafting Tour auf dem Rio Pacuare (ein weltweit beliebter Fluß inmitten des Regenwaldes für Rafting oder ähnliches – spaßig!!) und Shuttle direkt weiter nach La Fortuna, wo direkt vor der Haustür der Vocán Arenal steht, der jüngste Costa Ricas und einer der aktivsten der Welt. Nach einem Megaausbruch im Jahr 1968, bei dem ganze Ortschaften inkl. 87 Menschen “zerstört” wurden, und ordentlichen Eruptionen mit ganzen 8 Lavaströmen (!!) inkl. Nationalparkevakuierung im Mai 2010, war allerdings im Moment nicht mehr viel zu sehen.

El Arenal during Jeep-Boat-Jeep - La Fortuna -> Monteverde, Costa Rica

Allerdings ein schönes Stück Natur in den höheren Lagen Costa Ricas und doch kommerziell und touristisch brutalst erschlossen mit einer ungeheuren Auswahl an möglichen Touren. Eine einfache Wanderung mit Guide kostete für wenige Stunden allerdings schon jenseits der 100 US$, ganz zu schweigen von noch exorbitanteren Preisen für Abenteuer wie Canopy oder ganz einfachen Spa- & Wellness-Angeboten. Trotz nettem Abend im Arenal Backpacker’s Ressort mit zufälligen Bekannten wie Justine, die mich wohl im Tasty Waves kurz vor dem Schlangenunfall erspäht hatte, buchte ich aufgrund absoluter Tour-Reizüberflutung als einziges eine Jeep-Boat-Jeep-Tour für US$22 am nächsten Nachmittag zur nächsten Station: Monteverde und Santa Elena inmitten des costa-ricanischen Nebelwalds. Und hallo, ein wunderschön sonniger Tag machte diese einfache Weiterreise zu einer pittoresken Fahrt über die Laguna de Arenal mit anschließendem Weitertransport per Jeep bis nach Santa Elena.

Canopy - Santa Elena / Monteverde

Hier angekommen, checkte ich in der Pension Santa Elena ein, spottbillig für hiesige Verhältnisse und mit ordentlichem Backpackerflair. Auf dem Boot hatte ich Will & James kennengelernt, zwei englische Ölbohrplattform-Manager, die ihren Job an den Nagel gehängt hatte und nun Mittelamerika per Fahrrad durchquerten – sie sollten meine Essens- und Tourkumpanen der nächsten Tage werden, gesegnet mit einem fantastischen “British English”. Auf der Suche nach allerlei Getier wie zum Beispiel Faultieren, Jaguars, diversen Affenarten und übelsten Giftschlagen wanderten wir nachts durch den Nebelwald, welcher gleichzeitig als Reserva Biológica Bosque Nuboso Monteverde ein knapp über 10.000 Hektar großes costa-ricanisches Schutzgebiet ist. Tagsüber schwirrten wir im Canopy Aventura Park an Stahlseilen durch und über die Baumwipfel (Superman) oder 40m per freien Fall in die Tiefe bevor das Seil griff und einen wie an Lianen durch die Äste schwingen ließ (Tarzan Swing). Zwei definitiv lustige Tage an den Berghängen der Massivs Cordillera de Tilarán. Gern wäre ich noch länger geblieben, doch nun rächte sich meine Gemütlichkeit von Puerto Viejo. Und da ich mich grob für den nächsten Tag mit Sarah & Sabrina in Nicaragua verabredet hatte, setzte ich mich am nächsten Morgen des 7. Mai 2012 (5 Uhr) in den Transmonteverde-Schrottbus Richtung Panamericana (Lagartos), um von dort mit einem weiteren rangewinkten Bus bis nach Liberia zu kommen. Von dort ein weiterer Bus den uns (zwei Kanadierinnen Lindsay & Fehn waren auf der gleichen Strecke unterwegs) nette Ticos ranwinkten und wo sich einmal mehr das Spanisch bezahlt machte, und schon waren wir in Penas Blancas an der Grenze zu Nicaragua. Rückblickend ein tolles und abwechslungsreiches Land dieses Costa Rica, jedoch touristisch leider schon viel zu stark erschlossen, zumindest die wenigen Ecken, die ich mir angesehen hab. Ich bin gespannt auf die anderen Ecken eines Tages…

Gallerie mit allen Bildern zu Costa Rica – La Fortuna & Monteverde:
(direkt zu finden auch unter Google+ oder selbstgehostet als Menalto Gallery3)

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Jörg Denkel

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