Australia (Outback – Alice Springs)

Peter Pan Adelaide – nein, kein Held irgendeines Maerchens, sondern eine einfache Reisebuerokette fuer Backpacker, welche unverschaemt guenstige Reiseangebote an Traveller verkauft und nebenbei noch ganz ordentliches und finanzierbares Internet anbietet. Aber was ist schon finanzierbar?! Ich will garnicht wissen, was ich in meinen letzten Tagen hier an Geld platt gemacht habe – denn ich lebe gerade nach den Grundsatz, dass man es sich speziell die letzten Tage noch mal richtig gut gehen lassen sollte… :)

Und es gibt auch noch eine kleine Geschichte zu erzaehlen – von meiner besten Tour, die ich bisher waehrend meiner Reise hatte. Das Outback – 7 Tage von Adelaide nach Alice Springs – und diese Tage hatten es in sich. Absolut.

Los ging es mit einer Stunde Verspaetung um 6.45 Uhr am Freitag, den 14.1.05 vor dem YHA (Youth Hosteling Association – das sind die Jugendherbergen hier). Groovy Grape war der Veranstalter, Matt der Fahrer – seine erste Fahrt fuer Groovy und dann gleich ne Stunde zu spaet – na bestens. Noch “genialer” wurde es, nachdem er uns den Grund fuer seine Verspaetung mitteilte – der Bus kam Tags zuvor spaet von einer anderen Tour zurueck, er musste die ganze Nacht alleine (sein Kollege liess ihn im Stich) alles vorbereiten und hatte nur eine Stunde Schlaf. Na bestens – noch dazu uebermuedet und nur locker flockige 700km vor uns.

Nach einer Stunde Fahrt war ich (hab mal wieder Beifahrer gespielt) dann mit den Nerven am Ende – wir hatten fast einen LKW auf schnurgerader Strasse frontal gerammt (danke Andreas fuers rechtzeitige Aufwecken der Fahrerriege). Kein guter Start – es konnte nur noch besser werden. Vorteil diese Aktion war, dass nun alle mit zusaetzlichem Adrenalin fuer den Rest des Tages kein Auge mehr zumachten. Und Matt tat alles, um sich wieder unser Vertrauen in ihn zu erarbeiten.

Die Natur wechselte von gruen (um Adelaide sind weltberuehmte Weingebiete) zu einem Mix aus ocker und gruen (nicht mehr ganz so viele Baueme), wir machten Pausen in den Flinder Ranges, einem schoenen Bergmassiv (naja, jetzt stellt Euch mal nicht zuviel Berg vor – wir wuerden das hier Huegel nennen) und gleichzeitigem Nationalpark, schauten Hoehlenmalereien von Aboriginals an und erkannten hier zum ersten Mal die super kulturellen Qualitaeten von Matt, welcher aus Alice Springs kommt und in dieser Umgebung mit Aboriginals zusammen aufgewachsen war (seine Mutter war Lehrerin in einer Community). Wir stoppten in einem Ort mit 7 Einwohnern (das Jahr zuvor waren es noch 12 – Fluktuation ohne Ende) und machten Rast im dortigen Pub (Pubs fehlen nicht mal in Williams Creek – offiziel wohl 2 Einwohner). Die Gruppe (wir waren 14 Leute – Maz, Alison, Marie, Damien, Kathryn, Juri, Andreas, Julia, Julia, Alenka, Andrea, Colette, Pete & ich – oder anders gesagt: 4xGER, 3xSUI, 2xENG, 2xSCO, 2xHOL, 1xFRA nur fuer die, die es interssiert) lernte sich besser kennen (ich war der erste, der alle 14 Namen konnte!!)

Wir stoppten an diesem Abend in Angorichina in einem Camp namens Parachilna Gorge, wo Dave, der Besitzer, uns schon mit frischem Kaenguruhfleisch fuer unser abendliches BBQ erwartete. Die letzte Chance um Alkohol preiswert kaufen, nutzen nicht alle (vielleicht war dies der Grund, warum uns irgendwann am Uluru der Alkohol ausging), trotzdem war der Bus am naechsten Tag um einiges langsamer (vielleicht zu viel Gewicht?!). Auch stellte sich heraus, dass wir einen Koch und auch einen Mechaniker mit an Bord hatten – mehr braucht man nun wirklich nicht.

Am zweiten Tag fing langsam aber sicher diese lengendaere Landschaft an, an die jeder denkt, wenn er das Wort Outback hoert. Trotzdem sollte man vielleicht erwaehnen, dass das Outback zwar Wuesten enthaelt, jedoch keine Wueste fuer sich allein ist. Es setzt sich aus Halbwuesten, Wuesten, Steppenlandschaft und noch vielem anderen zusammen. Wir folgten der alten “The Ghan” Strecke, welche erste letztes Jahr mit einer neuen Streckenverbindung zwischen Alice Springs und Darwin ein Revival erlebt hatte. Lake Eyre lag ebenso auf unserer Stecke wie auch ein phaenomenales Wasserloch (die kommen ab und an mal im Outback vor) mitten im Nirgendwo, wo wir Lunch und Badesession einlegten. Hier lernten wir zum ersten Mal Matts Flexibilitaet zu schaetzen, der 150km auf sich, den Bus und das Benzingeld nahm, um uns dieses klasse Ereignis zu bescheren, obwohl es nicht mal ansatzweise auf dem Programm stand. Am Abend war dann William Creek an der Reihe (siehe oben), wo mein Studentenausweiss an der Wand haengenblieb (wen es interessiert, erzaehle ich gerne mal genaueres darueber) und wir hundemuede (wir hatten immerhin ueber 3 Stunden gebadet) unter den Sternen einschliefen. Und achja, es fing an zu regnen in dieser Nacht – es lebe der Swag!!

Dritter Tag und weiter ging es um 4:30 Uhr morgens (das war fuer so ziemlich alle sieben Tage die Standardzeit) Richtung Cooper Pedi, Opalwelthauptstadt – wir wollten den Tag nuetzen. Cooper Pedi ist eine Erfahrung fuer sich, heiss, staubig, ueberall Warnungen, dass man in kein Loch fallen soll – denn hier wird gebuddelt, an jedem Fleck, dem man sich nur ausmalen kann – Opale, interessante Edelsteine, die recht schoen funkeln. Bekamen eine gute Stadtfuehrung, eine gute “Unter-Tage”-Fuehrung und ausgiebig Zeit um auszukundschaften, dass die Public Libary am Sonntag zu ist (keine Chance auf Internet), dass das Handy kein Netz hat (hier wuerde ich als Vodafone aber auch keinen Sendemast hinstellen) und das Schwimmbad 4$ kostete. Johns Pizzabar war unser Abendessen, die Undergroundbar unsere Station fuer die allabendliche Party und Martin unser Fuehrer, um auf dem Flugplatz der Flying Doctors fuer ein paar Stunden Sterne durchs Fernglas anzuschauen. Letztendlich versumpfte ich mit Pete vor unsere Hoehle (ja, wir schliefen unter Tage, so wie ziemlich jeder in Cooper Pedi, da normale Haeuser einfach zu heiss sind) um noch stundenlang ueber Musik zu diskutieren. Weiterfahrt: 4.30 Uhr…

…richtung Uluru (der Allgemeinheit besser bekannt als Ayers Rock – doch das Wort ist out – man spricht heutzutage aboriginal). Dank unserer fruehen Abfahrt schafften wir es hier endlich, dem offiziellen Programm zu entfliehen um am Ende noch Puffer fuer ein paar andere Dinge zu haben. Wir kamen, nachdem wir unterwegs noch Feuerholz gesammelt hatten (mein Fuss wird sich noch lange dran erinnern), relativ frueh am “Rock” an und nutzen gleich die Chance im Resort unsere Swags auszurollen, den Kuehlschrank mit BBQ-Fleisch und Bier zu fuellen, einmal den Swimmingpool zu besuchen und wieder in den Bus zu springen, um ein wenig am Felsen spazieren zu gehen, die Magie, die diesen Felsen umgibt, aufzusaugen, viel interessantes von Matt darueber zu hoeren und letztendlich als einziger Bus auf dem Autoparkplatz (“Only cars – NO Buses – Penalty applies”) den Sonnenuntergang mit dem faszinierenden Farbenspiel zu geniessen. Lagerfeuer, BBQ, genialste Musik, 2 Geburtstage, Sternenhimmel, Swags und eine kurze Nacht rundeten diesen Tag schliesslich ab.

5.00 Uhr (yippie, ausschalfen!!), Sonnenaufgang am Uluru und ich Seppel vergess meine Kamera. Naja, auch hier wieder faszinierende Farbenspiele, Weiterfahrt zu Kata Tjuta (Olgas), famose Wanderungen, viel Kultur und Erzaehlungen unseres genialen Guides, zurueck zum Uluru, Wanderung komplett drumherum (auch raufklettern ist inzwischen out – bzw. der Felsen ist den Aboroginals heilig und unsereiner respektiert ja gerne Wuensche der eigentlichen Besitzer – im Anschluss kann man sich dann gleich noch das T-Shirt mit dem Aufdruck “I didn’t climb Uluru” zulegen), Besuch des informativen Kulturzentrums und wieder ein Abend am Lagerfeuer mit der inzwischen ins Herz geschlossen Gruppe. Ich muss sagen, es war eine gute Entscheidung die einzige Tour-Company zu nehmen, die zwei Tage am Uluru einlegt und nicht nur in einem Tag “druchrusht”.

7.00 Uhr am sechsten Tag (Luxus!!) und Abschied vom magischen Felsen, mitten im Zentrum von Australien. Auf zu Watarrka (Kings Canyon), welcher ein kleiner Grand Canyon ist und inmitten einer vierstuendigen Wanderung einen Garden of Eden beinhaltet, welcher ein phaenomenales Wasserloch bietet, welches uns 2 Stunden zum Schwimmen diente. Uebernachtung im Kings Creek Resort und wieder unter Sternenhimmel und ziemlich derben Rueckenschmerzen (die ich bis heute noch nicht loshabe). Ihr merkt schon, ich koennte jetzt wieder beschreiben, dass der Tag so genial war, dass einfach alles gepasst hat, dass wir Spass hatten, dass wir soviel Eindruecke wieder in uns aufgesogen haben – aber ich merke, dass ich mich in Superlativen verstricke, dass ich keine neuen Woerter mehr finde, dass ich einfach unglaubwuerdig werde – und Ihr koennt mir glauben: manchmal gibt es keine Worte, um Dinge, die man erlebt auch nur ansatzweise zu beschreiben – dann schweigt man lieber, und geniesst. Wie oft ich das hier schon gemacht habe – unzaehlige Male.

Der letzte Tag (Nr.7) war laut Programm fuer die Kings Canyon Wanderung vorgesehen – aber diese hatten wir ja schon am Vortag absolviert. Also auf zu den MacDonell Ranges, Matts eigentlicher Heimat und er brannte richtig drauf, diese uns vorzustellen, Wasserloecher mit klasse Felsvorspruengen zum Klippenspringen, schoene Lanschaft, Dirt Roads um den Bus vollends zu verheizen und Ankunft in Alice Springs mit einem unheimlich gelungenen Abschlusstreffen (alle 14 Mann bis 5 Uhr morgens anwesend – und die ersten Flieger Richtung Perth und Sydney gingen schon wieder um 7 Uhr), bei welchem wir Matt alle erdenklich imaginaeren Awards verliehen, die uns nur einfielen.

Zwei Tage Alice, den “Ghan” (nen ziemlich beruehmter Zug) dann zurueck nach Adelaide, gestern (Sonntag) angekommen, am Abend nochmal mit Matt (er kam kurz vorher mit dem Bus wieder an) noch ne Runde Pool spielen gewesen und nun nach intensiven Ausschalfen schon wieder im Internetcafe. Nacher nochmal die letzten Plattenlaeden nach australischer Musik abklappern, morgen nochmal Sightseeing, Adelaide geniessen und am Mittwoch dann der Flieger von Adelaide ueber Darwin ueber Singapur nach Frankfurt. Donnerstag (27. Jan) Morgen um 5:10 Uhr Ankunft am Main. So schnell kann es gehen. Aber ich freue mich – auch wenn mich die 40 Grad Temperaturunterschied erstmal umhauen werden… :)

In diesem Sinne: Bis wirklich bald!!

Jörg Denkel

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