Australia (Brisbane – Sydney – Adelaide)

Der 30. Dezember bedeutete gleichzeitig der Abschied aus Brisbane. John brachte mich noch zum “Brisbane Transit Center” und dort wartete auch schon Anni, mit der ich die 16-stuendige Reise nach Sydney antratt – schliesslich mussten wir rechtzeitig zu Silvester vor Ort sein um uns ein Bild der Lage zu machen – bis auf Alex war noch keiner jemals zuvor in Sydney gewesen. Dieser wiederum flog uns ein paar Stunden spaeter per Flugzeug hinterher – Treffpunkt Katoomba, Blue Mountains.

Die Fahrt verlief im voll besetzen Bus (ist ja auch klar – alle wollten nach Sydney) ohne groessere Zwischenfaelle. In Byron Bay, ein kleines Surferstaedtchen 2h suedlich von Brisbane, welches sein Kleinstadtflair noch nicht verloren hat, waere ich gern augestiegen – aber ich war selbst schuld und hatte zuviel Zeit in Brisbane verschludert. Dort stiegen auch Steffi & Matilda hinzu, zwei Maedels, die ich auf den Fijis kennengelernt hatte – ein nettes Wiedersehen. Und weitere 16h Stunden drauf (nur 2h davon waren Schlaf – ich hatte meine Earplugs im Gepaeck vergessen – ich hoerte als Ersatz den kleinen Prinzen 3x an) waren wir dann an der Central Station in Sydney, um 7 Uhr morgens. Da die Fahrkarten (wir mussten ja noch in die Blue Mountains) erst nach der Rushhour guenstiger wurden, verbrachten wir also noch 2 Stunden am Bahnhof, bevor wir dann per Zufall den gleichen Zug wie auch Alex nehmen konnten. Ankommen, einchecken (es brauchte gerade einmal 5 Minuten mit Alex und meinem Charme, um die Dame der Rezeption zu ueberzeugen, die Eincheckzeit von 14.00 Uhr auf “genau jetzt sofort” herabzusetzen), duschen, schick machen (schliesslich hatten wir Silvester), und raus um wieder die naechsten zwei Stunden im Zug zu verbringen. Lange Rede, kurzer Sinn – um 15.00 Uhr waren wir endlich in Sydney – und hatten noch genau 9h Stunden bis zum Feuerwerk – und nun?!? Die Geruechte, dass man 4h anstehen musste, um in die abgesperrte Hafengegend Einlass zu bekommen, wurden Realitaet – zuviel fuer uns. Anni machte sich auf den Weg, um sich mit einem alten Schulkameraden und dessen Eltern zum Essen zu treffen und wir suchten den naechsten Bottleshop – denn was gibt es besseres, als am fruehen Silvesterabend bei 30 Grad und blaustem Himmel im Hyde Park auf der gruenen Wiese liegend, ein kuehles Bier zu trinken (und nein, ich bin inzwischen kein Alkoholiker – habe nur ein wenig das australische Lebensgefuehl adaptiert)! Gleichzeitig versuchte ich noch, mit Nadine, die mit Hels und Vic zu der Zeit noch in Manly am Strand lag (sich also auch in Sydney aufhielt), einen Treffpunkt fuer den Abend auszumachen.
6 Bier spaeter (ist die australische Zeitrechnung) liefen Alex und ich dann noch ein wenig in der Stadt umher, trafen die drei Maedels, benoetigten eine Stunde um Ihnen beizubringen, dass der Hyde Park in Kobination mit dem Bottleshop im Vergleich zu einer 08/15-Bar inmitten sydneaischer Hochhaeuser, die oekonomischere und zugleich schoenere Loesung war, landeten wieder auf der Wiese, wuchsen an (Anni kam noch Simon hinzu und Hels gabelte noch einen dahergelaufenen Israeli irgendwo auf) und merkten irgendwann gegen 22.30 Uhr, dass man sich dann doch mal richtung Wasser aufmachen sollte, wenn man denn etwas vom Feuerwerk sehen wollte.

Gedacht, gesagt, getan, auf ging’s. Doch garnicht so einfach – die Polizei war gut – schon weit vor irgendwelchem Wasser waren ueberall Absperrungen und professionelle Umleitungen – man kam nicht mal mehr annaehernd Richtung Norden. Aufgrund des Trubels und verschiedener Meinungen, wohin man nun gehen solle, verlor sich die Gruppe und ploetzlich war ich wieder allein mit Alex – eine Situation, die wir uns ein halbes Jahr vorher eigentlich genau so ausgemalt hatten – garnicht mal so schlecht. Zu zweit war man flexibler, schneller und verrueckter – es sollte uns noch Vorteile bringen. Trotzdem waren wir zuallererst verloren, bewegten uns mit der Menge mit, bis wir erkannten, dass dies keinen Sinn machte. Die Loesung jedoch war ploetzlich genau vor uns – drei Maedels, die zielgerichtet und im schnellen Schritt durch die Menge marschierten – sie wussten wo sie hinwollten, wussten, dass noch wenig Zeit war und wussten vorallen einen Weg. 5 Minuten spaeter waren wir am noerdlichsten Punkt, der ohne Absperrung moeglich war – und es war Punkt zwoelf, das Feuerwerk startet und wir hatten Oper und Harbour Bridge recht gut im Blick. 0.05 Uhr und nach kurzem Feiern reichte uns das jedoch schon nicht mehr – wir wollten direkt ans Wasser. Zwei Zaeune und ewta 50 Polizisten waren keine Abschreckung fuer zwei Studenten aus Furtwangen, die unbedingt einen guten Platz direkt unter der Bruecke haben wollten – und nach absolut genialer Ueberlistungstechnik waren wir um 0.10 Uhr dann unter der Bruecke und genossen noch 5 Minuten weiteres Feuerwerk an einem Platz, wo Leute fuer die ganzen 15 Minuten 150 Dollar bezahlt hatten.

Ein ausfuehrlich berichtetes Silvester (es war ansonsten noch eine ruhige Nacht, es trafen sich wieder alle und wir suchten noch eine Bar in Kings Cross auf bevor wir um 6 Uhr morgens den Zug zurueck in die Blue Mountains nahmen) – die restlichen zwei Tage Blue Mointains und 5 Tage Sydney am Bondi Beach waren schoen, gut zum ausruhen, jedoch nicht ganz so aufregend. Alex, Anni und ich hatten uns jede Menge zu erzaehlen, (manchmal zuviel – zumindest fuer Anni) :), jede Menge zu erkunden (Katoomba, Glebe, Manley, Downtown, Darling Harbour, The Rocks, Kings Cross, Bondi), jede Menge zu erledigen (ueber 10h Internet in diesen Tagen) und jede Menge zu kochen (jeden Abend!!). Die Blue Mointains wurden als nicht lohnenswert deklariert, die YHA in Katoomba hingegen mit 5 Sternen ausgezeichnet, unser Lamrock Hostel am Bondi Beach war wohl eine Kooperation der italienischen und russischen Mafia (solange man jedoch zahlte, konnte man sich sicher fuehlen), der Strand ansich aufgrund der genialen Wellen top (ziemlich krass, was schon eine 2m-Welle fuer Kraft hat – da bekommt man endlich mal ein Gefuehl, was fuer eine Zerstoerungskraft grosse Wellen beinhalten), Manly garnicht so toll wie alle immer sagten (es gibt keinen einzigen Pizzaladen in der Mall) und die Innenstadt einfach nur klasse – nicht unbedingt die schoenste Stadt der Welt, aber fuer meine persoenliche Top10-Liste reicht es allemal.

Und schon war der 7. Januar, der letzte Gueltigkeitstag meines Bustickets (was hiess, ich musste nach Melbourne weiter oder am naechsten Tag erneut zahlen) und aufgrunddessen Abschiedstag in Sydney. Es passte jedoch, Anni wollte auch nur noch einen Tag mehr bleiben und Alex hatte seinen Bali-Flug am Morgen des 8. Januars – perfektes, zufaelliges Timing.

12h Uebernachtfahrt nach Melbourne und schon wieder die Ohrstoepsel im Rucksack – ahhhh! Klappte besser als zuvor, viel Schlaf und eine nette Amerikanerin neben mir, die Ihren Praesidenten stuendlich zum Teufel schickte. Melbourne im Morgengrauen, ein frueher Checkin (der Charme mal wieder) und eine ganztaegige Entdeckungsreise durch eine Stadt, die noch im Januar mal wieder in den Mittelpunkt des Weltgeschehens bzw. des Tennisgeschehens ruecken wird, naemlich dann, wenn die Tenniselite zu den Australien Open anruecken wird. Aufgrund David, einem 63-jaehrigen Aussie in meinem Zimmer, hatte ich direkt ein paar gut zu gebrauchende Tips bekommen und nateurlich hatte ich auch schon 3 Jahre die Empfehlung von Karbes im Kopf, dass die botanischen Gaerten eine der schoensten der Welt waeren. Am Abend gab mir dann noch David eine kostenlose Fuehrung durch St.Kilda, den Hafen und auch dem Casino (welches in dieser Nacht das letzte Mal die Weihnachtspraesentation auffuehrte) und so bekam ich die Stadt auch bei Nacht zu sehen – um ein vielfaches charmanter als tagsueber.

Der naechte Morgen kam frueh – um 6.45 Uhr ging die 3-taegige Tour nach Adelaide los. Zwischen Melbourne und Adelaide liegen nicht nur 1000km sondern auch die Great Ocean Road mit wunderschoenen Kuestenabschnitten und die Grampiens, ein wirklich tolles Gebirge (naja, nur 1000m hoch). Nick, unser Guide, holte mich als ersten aus dem YHA ab und ich wurde gleich zum Navigator berufen und durfte auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, einen Posten, die ich die ganzen drei Tage nicht mehr loswurde.
Nach einer Stunde hatten wir alle an Bord (18 Mann – allein 8 davon koreanischer & japanischer Herkunft) und es konnte Richtung Norden losgehen. Torquay, Kuestenstaedtchen und selbsternannte “Hauptstadt der Surfer” bot nicht viel, markierte aber den Anfang der Great Ocean Road. Surfermarken wie Quicksilver oder Ripcurl haben ihren Ursprung uebrigens daher. Eine klasse Kuestenstrasse an einem sonnigen Tag, Mittagessen mit Koalas, BBQ am Abend in Port Campell, danach den Sonnenuntergang bei den 12 Apostel (zwoelf sehr hohe Felsen, die vom Festland durch die staendig Wellen abgetrennt bzw. -gespuelt wurden und nun wie Insel aus dem Meer hervorstechen) und Uebernachtung auf einer ehemaligen “Prisoner-Farm” mit voheriger Sternenkunde (Orion-Belt, Southern Cross, Big Emu & Small Emu, Milky Way) – Nick gab sich alle erdenkliche Muehe, uns bei Laune zu halten.
Der naechste Tag brachte weitere Spots der Great Ocean Road zu Tage, so zum Beispiel die London Bridge, ein unterspuelte Landzunge, die im Januar 1990 einfach mal eben kollabierte. Zwei Menschen, die kurz zuvor ueber diese natuerliche “Bruecke” auf die andere Seite gelaufen waren, sassen fest und mussten per Helikopter gerettet werden. Im weiteren Laufe des Tages liessen wir die Great Ocean Road links liegen und machten uns auf zu den Grampiens, einem flachen Gebirge (ca. 1000m), welches aber erst am naechsten Tag mit einer Wanderung erkundet wurde. Zuvor wurde ein Pool aufgesucht (es war zu heiss), dann ein Pub (es war immernoch zu heiss) und dann das Hostel zum uebernachten (da war es dann nicht mehr heiss).
Der dritte Tag bot ausser der Wanderung, wo ich von Nick den Auftrag bekam, die Gruppe am Ende zusammenzuhalten und prompt mit den fuenf letzten den falschen Weg nahm – es dauerte 1h, bis man uns “gerettet” hatte – noch viel Fahrt (500km) und aufgrund dem heissesten Wind, den ich jeh hatte eine Umleitung nach Adelaide, weil vor der Stadt ein ziemlich grosses Feuer loderte. Willkommen in South Australia – um 7pm sollten wir ankommen, um 11pm kamen wir an – naja, eine Stunde davon geht auf mein Konto!!

Schlafen, bzw. nicht schlafen (so ein bekiffter Englaender konnte sich mal wieder bzgl. Schnarchen nicht zusammenreissen) und am naechsten Tag um 7am wieder raus – die Weintour, die ich unterwegs gewonnen hatte, stand an. Barossa Valley ist so ziemlich das bekannteste Weingebiet in Australien (der Name kommt aus Spanien – dort gibt es ein gleichnamiges Weingebiet) und Heimat von vielen internationalen und vor allem regionalen und lokalen Winzern. Jacobs Creek ist vielleicht eines der bekannteren Labels (und Hut ab, das Visitor Center ist verdammt gut), aber die unbekannteren schmeckten besser. Viel Weinkunde, Kaenguruh-Filet zum Mittags-BBQ und ungefaehr siebzig getestete Weine (und nein, wen man es richtig anstellt, wird man nicht mal ansatzweise betrunken!!) rundeten diesen gelungenen Tag ab.

Und nun sitze ich im Internetcafe im YHA von Adelaide, brenne meine letzten Fotos und schreibe diese Worte. Morgen geht es schon wieder um 6.45am los und dann fuer 7 Tage in die Wueste – das Outback. Meine letzte Tour, bevor ich naechsten Donnerstag in Alice Springs ankomme, zwei Tage spaeter den Zug “The Ghan” wieder Richtung Adelaide nehme, um dort meine letzten drei Naechte zu verbringen…
Ihr seht schon, ein bisschen Wehmut – denn bald bin ich wieder da – am 27. Januar werde ich in Frankfurt einschweben, wegen eines Temperaturunterschieds von 40 Grad wohl erstmal ziemlich ins Straucheln geraten und dann das versuchen, was mir so viele liebe Menschen, die ich unterwegs getroffen habe, als so schwierig beschrieben haben – heimkehren…

Jörg Denkel

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