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Lago Titicaca -> La Paz

December 27, 2007

Bevor es nach Bolivien ging, machte ich noch ein zweites Mal Stopp in Puno (26-28. Nov), der peruanischen Stadt in 3800m Hoehe im Sueden Perus und am Fusse des Titicacasees. Puno hat nicht viel zu bieten – man muss sich mehr oder weniger auf den Zufall verlassen. Ich hatte Glueck, denn das ueberaus freundliche Hostal von der Uebernachtung woechentlich zuvor hatte nach 8-stuendiger Busfahrt mit Reifenplatzer von Cusco aus noch genau zwei Zimmer frei – eins fuer mich und das andere fuer den 5 min spaeter aufkreuzenden Motoradfahrer Tango-Kalle. Dieser manoevrierte gleich sein komplettes Vehikel mit ins Hostal und kommentierte das trocken mit seinem norddeutschen Humor: “Letztes Jahr stand’s unterm Weihnachtsbaum!”. :) Er stellte sich als geselliger Abendessenbegleiter und interessanter und suedamerika-erfahrener Gespraechspartner heraus und machte die zwei Tage Puno, welche ich fuer einen Tag noch mit den schwimmenden Inseln der Uros und der Insel Taquile verband, zu einem lohnenswerten Aufenthalt.

Die Weiterfahrt nach Bolivien erwies sich etwas komplizierter als gedacht. Praesident und Sturkopf Evo Morales hatte kurz zuvor mal eben eine neue Verfassung ausgerufen und die nicht vorhandene Vorlage provokativ durch seine knappe Mehrheit in der verfassungsgebenden Versammlung vor den Toren von Sucre unter Abwesenheit der Opposition durchgewinkt – mit der Folge von vier Toten nach Ausschreitungen in Sucre und einem Generalstreik der Grossteile des Landes fuer 2 Tage lahmlegte. Die Grenze Peru-Bolvien und auch die Titicacasee-Stadt Copacabana erwiesen sich bis auf geaenderte Busfahrzeiten als erstaunlich friedlich. 2 Tage dort (28-30. Nov) mit der Isla del Sol (kann man getrost in der Pfeife rauchen, wenn man Uros und Taquile zuvor angeschaut hat und sich so dem anstehenden Bootsuntergang der “Tititcaca Tours” entziehen) stellten sich aber mehr als Enttaeuschung als Bereicherung heraus und sind in dieser Reihenfolge nichts empfehlenswert bzw. mit Vorsicht zu geniessen (und definitiv keine Top 6 von Bolivien lieber Footprint!!).

Am Freitag, dem 30. November hiess es dann La Paz. Zuvor musste auf der 5-stuendigen Fahrt von Copacabana aus aber noch ein Fluss bzw. Seeverengung ueberquert werden, wobei ich das erste Mal keine Angst um mich selbst hatte, sondern um unseren Bus (inkl. Gepaeck), der seperat auf einem schwimmenden Floss verschifft wurde, auf welches man bei uns nicht mal die Kinder am Hoernle (fuer nicht Konstanzer: heimischer Badestrand) lassen wuerde. Naja, man lernt hier mit den Gefahren zu leben, nichts so empfindlich zu sein, sie zu ignorieren, stumpft ab – ob das gut oder nicht gut ist sei mal dahingestellt. La Paz jedenfalls bescherte mir den haeufigsten Hostal/Hotel-Wechsel bisher sowie das erste Mal die totale Kapitulation meines Magens. Ersteres fing bei 2 Euro an, ging ueber 35 Euro (mit Badewanne!!) und pendelte sich bei 5 Euro in meinem ersten richtigen Backpacker-Hostel inkl. eigener Mikrobrauerei ein – zusammen mit Humberto (brasil.) und Gunnar (dt.), zwei lieben verrueckten Bekannten vom Salkantay-Trek. Sportliche Aktivitaeten fielen aber wegen Copacabana-Bakterien flach (ciao Todesstrasse!) und ich verlegte mich auf seichte Touristik wie Alpaka-Shopping. Rune, ebenfalls bekannt vom Salkantay-Trek und momentane Praktikatin der GTZ in La Paz, zeigte mir aber in aller Ausfuehrlichkeit die Stadt und sorgte mit deutschsprachigen Doktorkontakt fuer eine 3-stuendige Gatorade-Suche (versucht es erst garnicht – es gibt genau ein Laden mit bolivianischen Kopien, mehr nicht – nie zuvor hab ich mir so arg die verdammte Globalisierung und Kommerzialisierung in dieses Land gewuenscht!¡!) und schnellere Genesung.

Die Stadt ansich ist mehr als lohnenswert (allein die Lage ist sprichwoertlich atemberaubend – der Talkessel, an dessem Rand die Wohnschichten mit zunehmender Hoehe immer aermer werden bis sie schliesslich in der nahezu gleichgrossen – ca. jeweils 800.000 Einwohner – Stadt El Alto enden, in der man nicht mal tagsueber allein durchlaufen will und sollte). Ueber die Geschichte von Gunnar kann ich heut noch schmunzeln, denn dieser kam mitten in der Nacht mit einem mysterioesem Busunternehmen aus Peru an und wurde am Friedhof als Endstation abgeladen (absolut schonmal nicht empfehlenswert – die Ecke meiden sogar Taxifahrer). Nachdem er ueber Umwege irgendwie zum Terminal gekommen war und eine alte Frau am Strassenrand, die “Plaetzchen” verkaufte, nach dem Weg zum Hostel fragte (3min zu Fuss – gleiche Strasse!), fragte diese nur vollkommen schockiert: “Es ist da unten, aber sie wollen doch nicht etwa LAUFEN?¿!¡ Hier kommen Menschen ums Leben!!!” Naja, 10 Bolivianos fuer 30 Sekunden Taxifahrt – vielleicht hat’s sein Leben gerettet. :)

Am Mittwoch (5. Dez) hiess es dann allerdings Abschied aus La Paz nehmen, den spaetestens zu Nikolaus wollte ich ja in Santiago de Chile sein, um Stéphanie zu besuchen, die ich noch aus gemeinsamen Schweden-Zeiten kenne. Wegen diversen Verspaetungen und Verlaengerungen in den Staedten zuvor und auch den Copacabana-Bakterien, die mich freundlicherweise bis nach La Paz begleiteten, wurde die geplante Uyuni-Tour davor gecancelt und auf spaeter vertagt. Daher hiess es 35h Busmarathon ueber Arica (Norden Chiles) nach Santiago – sauteuer aber CAMA!!! Man muss sich ja auch selbst mal Geschenke machen… ;)

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