Playa Maderas - San Juan del Sur, Nicaragua

Nicaragua – Granada, Insel Ometepe & Strand

Die Ausreise aus Costa Rica gestaltete sich als organisiert und problemlos, die Einreise nach Nicaragua schon wieder eher als kleine Herausforderung, war es doch die beschäftigste Grenze zwischen diesen beiden Ländern und dementsprechend voll und chaotisch. Schon auf den Weg dorthin waren wir an einer kilometerlangen Schlange von wartenden Lastwagenfahrern vorbei gekommen – es stellte sich heraus, dass es keinen extra Schalter für die Jungs gab und uns so einige Stunden wohl bevorstanden. Während die Stimmung ein wenig absackte, erspähte ich einen in diesem Moment ankommenden Tica-Bus (Transportes Internacionales Centroamericanos). Dies ist ein Busunternehmen welches in Gewaltmarathons von Panama bis hoch nach Mexiko fährt und dementsprechend mehrmals täglich Grenzen überquert und, tatata, dementsprechend Connections mit den Grenzern haben. Kurz rübergejoggt zum Bus, mit den Fahrern ein wenig verhandelt für einen guten Preis bis Granada und schon waren wir offizielle Tica-Mitfahrer, wurden auf der Reiseliste nachgetragen und unsere Reisepässe wanderten in die übliche Plastiktüte mit der der Fahrer sodann direkt hinter irgendwelchen Türen verschwand und nach ein paar Minuten mit einem lupenreinen CA-4 Visum zurückkam. CA-4 bedeutet Central America-4 Border Control Agreement und ist vereinfacht gesagt eine Art Mini-Schengen zwischen Nicaragua, El Salvador, Honduras und Guatemala. Einmal ein Visum von einem der vier Länder, und man kann sich relativ problemlos auch in den anderen drei Ländern bewegen. Hätte ich in dieser Ecke der Welt definitiv nicht für möglich gehalten, aber ich lasse mich immer wieder gern überraschen. Und 2 Stunden später waren wir nach kurzem Ministop in Riva auch schon in Granada.

Granada, Laguna de Apoyo & Treehouse Poste Rojo – Nicaragua (7-11. Mai 2012):

Exploring the city - Granada, Nicaragua

Der Bus fuhr weiter in das knapp 50km weiter nördlich liegende Managua, Nicaraguas Hauptstadt. Wir aber wollten in dieser kolonial schönen, am westlichen Ufer des Nicaraguasees (Lago de Nicaragua), und mit 80.000 Einwohnern drittgrößten Stadt Nicaraguas, ein wenig verweilen. Auch hatte ich mich mit den schweizer Mädels hier verabredet. Durch die Tica-Bus-Beschleunigung war ich allerdings erster und so checkte ich schonmal im Hostal Oasis ein – ein nettes Hostel mit dreckiger Küche und pittoreskem kleinen Pool, wo man selbst Bier drin drinken durfte. Welcome to Nicaragua!! Das galt auch den zwei Mädels, die drei Stunden später aufschlugen (sie kamen an diesem Tag aus El Salvador und hatten nicht so Glück mit den Grenzen von Honduras und Nicaragua) – trotzdem das Wiedersehen war groß und wurde trotz diverser Magenprobleme mit ordentlich Bier begossen. Die nächsten zwei Tage (7-9. Mai 2012) wurden mit Sightseeing und Flanieren dieser schönen, wenn auch inzwischen extrem von dort wohnenden Ausländern durchzogenen, fetten Rosine verbracht (die Nicos & Nicas nennen diese Stadt wegen ihres alten und neuen Reichtums gerne La Gran Sultana). Kathedrale, Merced-Kirche, San Francisco Kloster, Hafen – gleichzeitig wurden im The Garden Cafe Pläne geschmiedet, wie man eine gemeinsame Nicaragua-Erkundung angehen könnte. In der überschwänglichen Wiedersehens-Freude meinten wir zu glauben, dass unsere Interessen relativ identisch sind – die Realität sollte uns später eines Besseren belehren. :)

Paradiso Hostel - Laguna de Apoyo, Nicaragua

Zunächst passte es jedoch, und wir beschlossen als nächstes die Laguna de Apoyo anzugehen. Dieser Kratersee liegt gerade mal 15min von Granada entfernt und hat mit seinen 20 km² gerade mal einen Durchmesser von 4km. Unsere Oasis-Hostel hatte dort ein Schwesternhostel namens Paradiso – abgeschieden, direkter Seezugang, Kanus, Floß, Cocktailbar am Wasser, eigene Küche zum kochen, eine alte Bootsgarage umgebaut zum Dormitory, paradisisch halt. Paradisisch bedeutet auf den ersten Blick oft wunderschön, auf den zweiten Blick aber auch einfach langweilig. Gerade, wenn man neu in ein Land gekommen ist und nur so vor lauter Tatendrang strotzt. Nach einer Nacht (9-10. Mai 2012) ging es also weiter.

Treehouse Poste Rojo - close to Granada, Nicaragua

Der Süden, also der dünne Landstrich zwischen Nicaraguasee und Pazifik stand auf dem Programm, das südlich von Granada liegende Treehouse Poste Rojo war damit auf dem Weg dorthin. Diese Empfehlung hatte ich schon sehr weit unten in Chile von anderen Travellern bekommen und nun war es soweit. Ein wirkliches, großes Baumhaus mitten im Regenwald mit verbindenen Hängebrücken, OpenAir-Duschen, übergroßen Schaukeln, unzähligen Hängematten, echten wilden Brüllaffen auf dem Jogadeck, und neben dem verpeilten Manager Chad noch mit drei Volunteers ausgestattet – der bayrisch-direkte George (GER), die verrückte aber liebenswerte Joga-Honey (USA) und die in einen Surfer verliebte Kylie (USA). Hier hätte ich Tage bleiben können, aber schon machten sich die unterschiedlichen Interessen das erste Mal bemerkbar. :) Und nach einem Nachmittag voll mit Janiv (ein fantastisches Kartenspiel, welches aus der israelischen Ecke kommt und bisher von allen geliebt wurde, denen ich es beigebracht hatte), einer Movienight mitten im Regenwald, und diversen Tarantula-Spinnennestern, die Sarah nachts unter ihrem Bett aufstöberte (und deswegen natürlich nicht schlafen konnte), machten wir uns am nächsten Morgen (11. Mai 2012) auf Richtung der Isla Ometepe, welche das nächste Ziel darstellte – mit an Bord noch der französisch-kanadische G (von Gizlah, was aber keiner aussprechen konnte), den wir Tags zuvor kennengelernt hatten.

Gallerie mit allen Bildern zu Nicaragua – Granada, Apoyo & Treehouse:
(direkt zu finden auch unter Google+ oder selbstgehostet als Menalto Gallery3)

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Isla Ometepe (Santo Domingo) – Nicaragua (11-13. Mai 2012):

Ferry with view towards Volcán Conception - Isla Ometepe, Nicaragua

Die Isla Ometepe liegt mitten im Nicaraguasee und ist mit 270 km² die weltweit größte vulkanische Insel in einem Süßwassersee. Eine Überfahrt vom Festland dorthin dauert schonmal gut 2h mit der einigermaßen stabilen Fähre – und genau die nahmen wir, nachdem wir per Anhalter vom Straßenrand des Treehouses sogar bis nach San Jorge (dem Hafendorf) mitgenommen wurden. Während der Fährfahrt studierte ich zuerst einmal den Lonely Planet, gibt es doch einige Dörfer und Städtchen auf der von ca. 30.000 Einwohnern bewohnten und durch zwei Vulkankegeln zusammengeschweißten Insel. Wir konnten uns nicht entscheiden welche Seite und landeten nach Ankunft und Taxi am Playa Santo Domingo auf dem Verbindungslandstück inmitten der beiden Vulkane.

Playa Santo Domingo - Isla Ometepe, Nicaragua

G und ich hatten uns entschieden, definitiv einen der beiden Vulkane zu erklimmen und nach Gesprächen mit unserem Buena Vista Hospedaje Besitzer Byron und dem Straßentourverkäufer-Schlitzohr Herald entschieden wir uns für den kleineren, aber angeblich besser besteigbaren und schöneren Volcán Maderas – immerhin auch eines der 10 Lonely Planet Highlights von Mittelamerika (inkl. Farbfoto – was bei Lonely Planet durchaus Aussagekraft hat). Bzw. hatte für mich, denn es war nett, und das war’s dann auch. Highlight?! Absolut nicht, auf jeden Fall keines, welches ein Aufstehen um 4.30 Uhr morgens und die darauf folgende Tortur gerechtfertigt hätte. Der hoch angepriesene Kratersee war ein dreckiger, matschiger Tümpel – der Weg dorthin ging nahezu nur durch Regenwald ohne auch nur eine Chance auf Aussicht in den letzten zwei Dritteln der Wanderung zu haben. Nur der sinnflugartigen Regen beim Abstieg, welcher den schmalen Trampelpfad in einen reißenden Bach verwandelte und uns sozusagen wieder ins Tal spülte, hatte was für sich, und läßt den Ausflug auch heute noch nicht in die Kategorie Langeweile abrutschen.

Hiking Volcán Maderas - Isla Ometepe, Nicaragua

Als wir komplett durchnässt und einmal durch den Schlamm gezogen unten wieder ankamen, sahen die Mädels von ihrem Beachtag relativ erholt aus. Wir allerdings brauchten eine weitere Nacht zum regenerieren, auch wegen der zwischenzeitlichen Skorpionjagd, als ein kleines aber gefährliches Exemplar beim Duschen durch die Füße von G(izlah) Hindernis-Parcours lief und erst im Zimmer gestellt und erlegt werden konnte. Am nächsten Tag nahmen wir den wundervoll durch Nico/Nicas so kulturell und kleidungstechnisch bunten Chicken-Bus zurück zum Hafen (Moyogalpa) und nahmen die nächste Schnellboot-Fähre (kleiner, da keine Autos) wieder an Festland nach San Jorge. Bevor wir dort lebend ankamen, holte uns allerdings ein wilder Sturm ein, durchnässte uns ein weiteres Mal von oben bis unten, und zeigte uns, wie schnell ein relativ harmlos aussehender See innerhalb Minuten zum Wellenungetüm werden kann. Faszinierend, und wie gesagt, knapp überlebt… :)

Gallerie mit allen Bildern zu Nicaragua – Isla Ometepe:
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San Juan del Sur & Playa Maderas – Nicaragua (13-17. Mai 2012):

Playa Maderas - San Juan del Sur, Nicaragua

Weiter ging es per teurem Taxi (den Mädchen war die Lust auf die Busse leider vergangen) auf die andere Seite des Landstreifens – zur Pazifikküste und dort zum Sürferstädtchen San Juan del Sur. Im Casa Oro Hostel checkten wir ein, nichts besonderes in meinen Augen, aber ich war ja nun nicht mehr allein und konnte meinen Splin, erstmal alles Hostels anzuschauen und dann zu entscheiden, nicht mehr vollends ausleben. :) Den Charme von Puerto Viejo in Costa Rica hatte es bei weitem nicht, aber die kleinen Restaurants und Cafés (Simon says, Café Gato Negro, Taco Shop) machten es doch recht unterhaltsam und für zwei Nächte durchaus brauchbar. Die Strände waren allerdings abseits und nur mit dem nötigen Transportmittel zu erreichen. Wir wollten nicht nur per Tagestour dorthin und packten deswegen unsere sieben Sachen, hatten wir doch von einem netten “Anwesen” am Playa Maderas, einem guten Anfänger- und gleichzeitig Profistrand, gehört. Dort angekommen, waren wir allerdings mehr als enttäuscht. Das “Anwesen” mit seinem Pool und Bungalows war zwar schön, nur der Strand fehlte und fand sich erst nach einiger Zeit hinterm nächsten Berg. Gott sei Dank gab es direkt am Strand ein zwar abgesifftes, aber doch ein mit guter Stimmung, einer Köchin, einem Surfverleih und ein paar durchgeknallten Surfern besetztes Hostel namens Trés Hermanos. Manche hätten es Bretterverschlag genannt (und es war auch nicht mehr), aber die Lage war einmalig und bescherte und wundervolle Sonnenuntergänge kombiniert mit guten Fischbarbecue und vieeeeeel Surfen. Ich nahm bei Orlando noch eine Surfstunde, lag doch mein letzter Versuch schon eine Weile zurück (Pichilemu in Chile). Und: es klappte besser als erwartet. Aufgrund fehlendem Rash Guard scheuerte ich mir mit meinem provisorischen T-Shirt-UV-Schutz zwar den kompletten Bauch auf, aber hey: ich stand auf dem Brett!! Und wie!!

Playa Maderas - San Juan del Sur, Nicaragua

So ein Strand, sei es in der Karibik oder am Pazifik ist schön, teils sogar wunderschön, mach einer würde es sogar Paradies nennen. Ich ahnte es schon vorher, seit dieser Reise weiß ich es: ich bin kein Dauer-Strandtyp – auch nicht im Paradies. Nach zwei Tagen ist mir langweilig und ich hab die Schnauze voll mich ständig mit Sonnencreme einschmieren zu müssen. Über Strände in der Bretagne oder an der Nord- und Ostsee mit einem ordentlichen Klima kann man reden, nicht aber über die heißen Paradiesstrände mit ihren unmenschlichen Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten. Wem macht das denn Spaß, nachdem das faszinierende erstmal abgefallen ist?!? Richtig, ungefähr 95% der Weltbevölkerung. Und auch meinen beiden Begleiterinnen. Nach zwei Nächten am Playa Maderas (15-17. Mai 2012) kamen sie zwar noch mit nach León (per Minibus-Wechsel-Odyssee durch San Juan del Sur, Rivas, Jinotepe, Managua bis nach León), aber dort standen die Zeichen auf Abschied. Sie wollten zum tauchen auf die in der Karibik liegenden Little Corn Island (was auch ursprünglich mein Plan gewesen war, durch meine frisch erlangte Erkenntnis dann aber wieder in den Hintergrund gedrängt wurde), ich nun erstmal in der Stadt ausspannen bzw. dann noch das kühlere Hochland ansteuern. Und so ging eine zehntägige, gemeinsame Reise zu Ende…

Gallerie mit allen Bildern zu Nicaragua – San Juan del Sur:
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Jörg Denkel

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