Colombia - La Ciudad Perdida: finaly there!!!

Kolumbien – die Karibik

Santa Marta, Taganga, Parque Nacional Tayrona, Palomino – Kolumbien (18-23. März 2012):

Colombia - Taganga: sunset mood from the viewpoint of La Casa de Felipe

Colombia – Taganga: sunset mood from the viewpoint of La Casa de Felipe

Die Karibik!! 31 Jahre hat es gedauert, um an dieser Ecke der Welt vorbeizukommen. 4 1/2 Monate Südamerika lagen in diesem Moment hinter mir, und ich näherte mich langsam aber sicher dem Ende dieses Kontinents. Cartagena, die historisch-koloniale Küstenstadt, war als Endziel in Kolumbien auserkoren worden, schlicht aus dem Grund weil dort die meisten Segelboote nach Panama ablegen sollten. Insofern machte es Sinn, erst einmal weiter östlich an der Karibikküste zu stranden, um die Empfehlungen und wunderschönen Ecken dort abzugrasen – Santa Marta, Taganga, Tayrona, La Ciudad Perdida, Palomino um nur ein paar zu nennen. Die Nachtfahrt von San Gil kommend endete ein wenig später als gedacht am späten Morgen, der Bus war technisch nicht der Beste gewesen und einige Reperaturstopps mitten in der Nacht kosteten ein wenig Zeit – Gott sei Dank ist ja jeder Busfahrer gleichzeitig auch ein ganz passabler Mechaniker in Südamerika. Mit an Bord war auch noch Hilda, das italienische Mädel – sie hatte sich auch spontan entschieden die Karibik zu erkunden. In Santa Marta angekommen kaperten wir uns erstmal ein Taxi um gleich weiter in den kleinen Tauch-, Fischer- und Küstenort Taganga zu gelangen. In Kolumbien hatte ich schon soviel Gutes über La Casa de Felipe gehört, ein zwar großes aber auch unheimlich gemütliches Hostel, so dass ich das große und nicht unbedingt ungefährliche Santa Marta links liegen ließ um alles vom nahen Taganga aus zu planen. Im hektischen und vollen Hostel angekommen, checkte ich erstmal ein und mußte ein paar Stunden Schlaf nachholen, nicht aber um zuvor noch die bezaubernde Anna aus Freiburg kennenzulernen. Sie kam gerade von einem 5-tägigen Hike zur Ciudad Perdida zurück und war mit ihrer Schweizer Freundin am “alle Viere von sich strecken” und gleichzeitig Dormitory-Leidensgenossin. Nachdem ich wieder fit war erkannte ich, das Taganga nicht allzu viel zu bieten hatte (außer ein paar gute Restaurants, Tauchschulen und Hostels), und so schob ich meinen Ausflug in den Tayrona Nationalpark gleich auf den nächsten Tag vor. Mit dabei spontan die eben genannte Anna und auch Hilda, die in einem Nachbarhostel untergekommen war.

Colombia - Tayrona National Park

Colombia – Tayrona National Park

Am nächsten Tag ging es zu gemütlicher Zeit los – wir hatten ein kleines Shuttle gebucht, dass einen inkl. Supermarktstopp direkt bis zum Eingang des Nationalparks fährt. Das mehr oder weniger sinnfreie Plastiktütenverbot im Park selber spornte uns zu kreativen Höchstleistungen an, wie man am besten alle Plastiktüten im Rucksack und an sich selbst versteckt um nacher wieder alles im Rucksack zusammengelehrte rückzuverpacken. Nach Parkeintritt und Informationvideo ging es am frühen Nachmittag endlich los mit dem Wandern. Der Tayrona Nationalpark ist ein östlich von Taganga 35km Küstenstrecke lang liegender Park, welcher grob 15.000 Hektar umfasst. Der Name stammt von dem dort früher beheimateten indigenen Stamm der Tairona-Indianer ab, von denen allerdings nicht mehr allzuviel übrig ist, außer ein paar achälogische steinige Reste. 1969 gegründet bietet er im Ostteil hauptsächlich weiße Strandbuchten, Kokospalmen, Riesenkakteen und jede Menge tropischen Regenwald. Und ein paar Campingmöglichkeiten, weswegen wir den Ausflug auch auf 2-3 Tage planten. Mit dem Ziel das erste kleine Örtchen Arrecifes über die Strände und nicht den Dschungel zu erreichen, starteten wir. Und ruck zuck wurde uns bewußt, warum so viele andere Traveler so über diesen Park geschwärmt hatten. Schöne weiße Strände, eingeschlossen in Buchten, von hausgroßen Felsen voneinander getrennt. Durch Sand schleppen, durch Wasser waten, über Felsen klettern, unter Ästen hindurchkriechen, vor Moskitos fliehen. :) Hintendran direkt der tropische Regenwald, wandernde Ameisenkolonien, die ganze Baumkronen zerlegten und wegschleppten, blau schillerndste Schmetterlinge im Tiefflug, faul rumliegende Kaimane. Es war wie ein kleines Paradies in das wir dort stolperten. Nach 1 1/2h waren wir in Arrecifes angekommen, einer kleinen Ansammlung von Campingmöglichkeiten, und nach ein wenig umherschauen entschieden wir uns für den billigen etwas abgesifften aber dafür ruhigen Bukaru-Platz mit seinen klammen aber mit Moskitonetzen ausgestatteten Hängematten. Noch ein paar Kurzausflüge, ein Abendessen und eine durchquatschte Nacht später schliefen wir auch schon ein und wachten pünktlich mit den ersten Sonnenstrahlen und dem Meeresrauschen auf. Mit viel Sonnencreme und Pan de Tayrona ging es zum morgendlichen Schwimmen an einen der zwei schwimmbaren Strände La Piscina (alle anderen Strände haben starke Strömungen und schon mehr als 100 Todesopfer zu beklagen) und im Anschluß weiter nach San Juan, der letzten, teuresten und defintiv coolsten Campingmöglichkeit im Tayrona Park.

Colombia - Tayrona National Park: San Juan

Colombia – Tayrona National Park: San Juan

Ein Hängemattenrondell auf der Spitze des Aussichtsfelsen bot atemberaubende Blicke – allerdings entschieden Anna und ich uns schon am gleichen Tag nach Taganga zurückzukehren. Hilda und ein spanisch-britisches Päarchen aus London mit welchem wir umherstreiften, schnappten sich allerdings drei der begehrten Hängematten, und rückwirkend hätten wir es auch tun sollen. Gemeinsam erkletterten wir noch das mitten im Regenwald liegende Pueblito (hammeranstrengend für recht entäuschende Ruinen der Tairona-Zeit) und nach einem späten Mittagessen in San Juan und anschließendem Schwimmsport mit vollem Magen wanderten Anna und ich dem Ausgang und der Dunkelheit entgegen. Wir bekamen gerade noch so das letzte Combi (Minibus) vom Parkplatz zum Ausgang und nach etwas Verhandlungsgeschick hatten wir auch einen Taxifahrer breitgeschlagen, uns direkt zurück nach Taganga ins Casa de Felipe zu bringen, wo wir erstmal die Füße hochlegten bzw. Anna sich erstmal von ihrer Schweizer CiudadPerdida-Gruppe verabschiedete, die am nächsten Tag nach Tayrona aufbrechen wollten.

Der alte Reisespezi Gunnar, den ich in Bogotá getroffen hatte, war übrigens ein paar Wochen vorher im Nationalpark – zwar an einer anderen Stelle aber das Video von ihm bringt definitiv den Charakter von Tayrona rüber:

Anna wollte eigentlich am nächsten Tag weiter nach Cartagena und von dort weiter in den Süden, aber Erik (dem Holländer aus Medellin, der in der Zwischenzeit einen Tauchkurs in Taganga gemacht hatte) kam mit der Idee, doch nochmal am einsamen Strand in Palomino vorbeizuschauen, 70km östlich von Taganga gelegen und als absoluter Geheimtipp geltend, da noch so gut wie garnicht in Reiseführern erwähnt. Er begeisterte uns alle mit dieser Idee – zumindest für einen Tagesausflug und nicht für ein paar Nächte so wie er es eigentlich vorhatte. Am nächsten Morgen saßen wir (Erik, Anna, ich & auch Stefan aus Medellin, der auch plötzlich im Casa de Felipe stand) also im lokalen Bus richtung Osten und 2h später stiegen wir in einem verschlafenen Nest namens Palominoaus, wo wir uns erstmal an den Straßenständen mit allerlei Früchten und Bier eindeckten, um danach die 20min richtung Meer in Angriff zu nehmen.

Colombia - Palomino: fishermen at the beach

Colombia – Palomino: fishermen at the beach

Hervor kam ein kilometerweiter wilder weißer Strand, den man so auch erstmal bieten können muss – auf seine ganz eigene Art und Weise schön. Ein paar abgewrackte Backpacker hatten sich hier niedergelassen und nach ein paar weiteren Metern in östliche Richtung kam auch ein ganz hübsches Hostel mit Beachbar zu Tage – ganz so Geheimtipp war es also nicht mehr. Erik, bis dahin seinen Rucksack mitschleppend, buchte sich erstmal für die Hängematte ein und anschließend wurde die Karibik mit einer Kokusnuß als Ball unsicher gemacht. Um 18 Uhr schnappten wir uns den letzten Bus, nicht bevor wir jedoch noch ein Kilo (und ein Kilo kann verdammt viel sein) feinster Langustinos von Fischern frisch aus dem am Meer liegenden Fischerboot erworben hatten. Zwei Stunden später lagen sie in der Pfanne und bescherten uns das beste Abendessen seit langen, gefolgt von einem würdigen Abschiedsdrink auf der Dachterasse ;), denn am nächsten Morgen verstreuten sich alle in unterschiedliche Richtungen. Anna und Stefan weiter nach Cartagena und ich zum Magic Tours Büro um endlich das Projekt “La Ciudad Perdida” anzugehen.

Gallery (all great photos) – Colombia – Taganga, Tayrona & Palomino

Ciudad Perdida – Kolumbien (23-27. März 2012):

Die verlorene Stadt, The Lost City, La Ciudad Perdida – ich zitier hier mal meinen alten Reisefreund Gunnar, der diese Tour ein paar Wochen vorher gemacht hatte und in seinem Blog recht nette einleitende Worte zu seinem fantastischen Video gefunden hat:

“Keine 40 Jahre ist es her, dass ein Grabräuber im dichten kolumbianischen Dschungel auf die Reste einer alten Stadt … die “verlorenen Stadt” stößt. Die ehemaligen Bewohner hatten die “Ciudad Perdida” Jahrhunderte vorher aufgegeben. Sie wurde nach ihrer Entdeckung anständig geplündert. Ein ganzer Haufen Leute hat sich ihrer Schätze wegen die Köpfe eingeschlagen. Es folgte eine kurze Phase in der die Terassen der Stadt zum Anbau von Marihuana genutzt wurden. Auch da gabs sicher mal anständig auf die Mütze. Auch die Paramilitärs & FARC sind heute weitgehend aus der Region vertrieben. 5 Tage benötigt man, um durch zum Teil extrem unwegsames Gelände zur Stadt und wieder zurück in die Zivilisation zu gelangen. Die Qualen ;) lohnen sich…!! Die folgenden 5 Minuten könnt Ihr vom Sofa aus mit dabei sein…”

Colombia - La Ciudad Perdida: refreshment in between the torture

Colombia – La Ciudad Perdida: refreshment in between the torture

Diese 5 Tage Qualen wollte ich also auf mich nehmen, denn noch jeder, der von dieser Tour lebend zurückgekommen ist, war mehr als begeistert. Und auch mir sollten diese Tage in toller Erinnerung bleiben, denn sie hatten es körperlich, kulturell, naturell und auch zwischenmenschlich mehr als in sich. Begonnen am frühen Morgen des 23. März 2012 ging es erstmal in einem unbequemen Jeep über Santa Marta nach El Machete, dem Ausgangort, von wo man in drei Tagesetappen zur Basiscamp marschiert, von wo man am vierten Tag am frühen Morgen den Aufstieg zur Ciudad Perdida in Angriff nimmt. Die zweite Hälfte des vierten und den fünften Tag geht man dann im Gewaltmarsch zurück nach El Machete, von wo aus man wieder per Jeep in die Zivilisation zurückkatapultiert wird. Kostenpunkt: 600.000 Pesos (300 US$) für 5 Tage Guide, Essen, Schlafen und Spaß. Allein sollte man den Trip nicht machen, denn die Guerillas warten auf einen! ;)

Colombia - La Ciudad Perdida: finaly there!!!

Colombia – La Ciudad Perdida: finaly there!!!

Was soll ich noch sagen, wir hatten eine kleine, aber tolle Truppe. Mike (USA), Daniel (CZ), Francisca & Carlos (CHL), Chris aus Ravensburg (GER) und noch Simon (ENG) und unsere Guides Jose und Sixto. Schaut Euch Gunnars Video an – es beschreibt mehr als tausend Worte. Tiefster kolumbianischer Busch, klarste und wildeste Flüße mit tollen Badeplätzen, indigene Einwohner (die sogennanten Kounis), spannende Übernachtungsplätze und am Ende eine atemberaubende verlorene Stadt mit mossbewachsenen Terassen und unglaublichen Aussichten. Ein toller Trip, der alle Anstregung verdient hat – trotz dass ich bei der letzten Flußüberquerung mich selbst natürlich im Fluß versenken mußte und noch Tage später mich Prellungen an diesen Trip erinnerten.

Zurück in der Zivilisation und meinem inzwischen liebgewonnenen Casa de Felipe, schaffte ich noch zur Wäscherei um die Ecke (noch nie auf dieser Reise haben meine Klamotten so brutal gestunken) und mir für den nächsten Tag ein Shuttle nach Cartagena zu buchen, bevor ich übermüdet und nach einem 3-stündigen Blackout (der Strom der Stadt, nicht ich!) im Bett landete.

Gallery (all great photos) – Colombia – Ciudad Pérdida

Cartagena – Kolumbien (28. März – 5. April):

Colombia - Cartagena: ceviche!!!

Colombia – Cartagena: ceviche!!!

Cartagena de India, immerhin mit knapp 1 Millionen Einwohner touristischste Stadt Kolumbiens, liegt im Westen Kolumbiens an der Karibikküste. Als eine der ersten von den Spaniern im Norden Südamerikas gegründeten Stadt strahlt aufgrund der vom damaligen Güter- und Sklavenhandel früh zu Reichtum erlangten Stadt immernoch ein gewisser Glanz. Das meinten schon damals die Piraten, die Cartagena in regelmäßigen Abständen angriffen und versuchten zu plündern. Deswegen ziert auch die riesige Festung San Felipe das Stadtbild wie kein anderes. Das von einer Stadtmauer umgebene Viertel Centro und das etwas roughere und heruntergekommende Handwerkerviertel Getsemani landeten schon 1984 auf der UNESCO Weltkulturerbeliste. Es ist eine schöne Stadt – zumindest im innern. Leider ist sie auch sehr amerikanisch geprägt – stereotypisch amerikanisch (= dicke, fette, mit Dollar umherwerfende Amerikaner). Auch von Cartagena hat Gunnar übrigens ein nettes Video zusammengeschnitten – wer will klickt:

Angefangen im schrecklichen El Viajero Hostel (Kettenhostel von der Stange, funktionell, aber absolut ohne Charme) wechselte ich nach zwei Nächten in Casa Vienna, einem verwohnten Backpacker-Hostel der alten Schule, allerdings leider auch ohne Klimaanlage, was in dieser Stadt aufgrund der Luftfeuchtigkeit relativ tödlich ist. Trotzdem fühlte ich mich hier einigermaßen wohl, den Elke war mit ihrem Café El Gato Neground ihrem fantastischen deutschen Frühstück gerade nebenan, und auch ein klimatisiertes Internetcafé befand sich geradewegs gegenüber. Alles zusammen war für mich das magische Dreieck für die nächsten Tage.

Colombia - Cartagena

Colombia – Cartagena

Zwei Tage hätten für diese Stadt gereicht – leider wurden es sieben. Das lag vor allem daran, dass Ostern heraufzog und die paar wenigen Segelboote mit zuverlässigen Skippern in dieser Zeit noch weniger waren, die von Cartagena richtung Panama ablegten. Nach einem Tag Vollrecherche vor Ort und im Internet ergatterte ich den letzten Platz auf der Luka, einem 30m-Zweimaster-Segelboot vom polnischen Falschrum-um-die-Welt-Rekordsegler Tom und seinem Hund Wazcek. Allerdings war die Luka gerade erst in Cartagena eingelaufen und sollte planmäßig erst wieder am 5. April auslaufen, was in diesem Moment sechs Tage warten bedeutete. Sechs lange Tage, die mit viel Blognachschreiben, guten Mittag- und Abendessen der dabei im Internetcafé kennengelernten Nina, und viel Schwitzen und kolumbianischen Ceviche rumgebracht wurden. Und dann sollte es endlich losgehen. Am Abend des 5. April 2012 begab ich mich an den Yachthafen Nautico, um dieses wunderhafte Südamerika, was mir für mehr als 5 Monate (länger als geplant) viel Spaß bereitet hatte, hinter mir zu lassen. Fünf unheimlich tolle Monate mit vielen neu in mein Leben getretenen lieben Menschen, die mich (jeder für sich) ein klein wenig geprägt haben…

Gallery (all great photos) – Colombia – Cartagena

Jörg Denkel

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