Cañones de Colca y Cotahuasi

Arequipa besitzt zwei Attraktionen gleich um die Ecke – zwei tiefe Attraktionen, auch Canyons genannt. Man sagt (wer das sagt ist nach wie vor unklar), dass es die tiefsten der Welt sind, weit tiefer (doppelt so tief) als der Grand Canyon in den USA beispielsweise. Allerdings muss man zur Ehrenrettung des Grand Canyons sagen, dass die Felswaende dort deutlich vertikaler abfallen und so auch meist spektakulaerer aussehen.

Nichtsdestotrotz: Es ging an einem Wochenende (26-28. Oktober) mit dem Colca Canyon los. Im Zweierteam (mit Jan, einem Freund aus der Sprachschule) wurde auf einen Guide verzichtet und die Route (inkl. Busfahrt und Uebernachtungen) selbst gewaehlt. Ein mehr oder weniger gute Wahl, wie sich spaeter herausstellte. :) Der Touristenfaengerort Chivay wurde umfahren (dank Lonely Planet Warnung haben wir uns hier nicht die halboffiziellen und ueberteuerten Nationalparktickets andrehen lassen, was den werten Herrn zu einen Gesichtsausdruck verleiten liess, bei dem ich dachte, dass er gleich mit der kompletten Nationalgarde den Bus umstellen wird) und erster Stopp on Yankey gemacht, ein Dorf weiter, dafuer aber ruhig, beschaulich und vor allem ohne einen einzigen Gringo (bis auf zwei Hardcore-Peacecorp-Ami-Jungs, die sich fuer zwei Jahre dorthin versetzen lassen haben und die wir beim Abendessen auf dem Plaza trafen). Dafuer waren allerdings auch alle Hostels (ganze zwei) geschlossen und wir mussten uns in der Dunkelheit nach einem Bett umschauen, was wir schliesslich mit Hilfe von Einheimischen (das Spanischlernen zeigte seine ersten Vorteile) auch bei einer Familie auch fanden – ein Gluecksgriff, was wir aber aufgrund unserer Weiterfahrt am naechsten Morgen um 5.00 Uhr nicht wirklich geniessen konnten. Dachten wir zumindest!! Denn uns wurde um 6.00 Uhr – nach ueber einer Stunden warten also – gesagt, dass der Bus schon um 4.30 Uhr da war. Haha! Also Planaenderung: zurueck in unser Zimmer, Cruz del Condor gestrichen (ein Ort, wo sich alle Touristen frueh morgens sammeln um die einzigartigen Kondore des Colca Canyons zu beobachten) und ab in die 30min entfernten Aguas Termales zum entspannen – ein kluger Zug – denn was interessieren mich schon Kondore (ausser dass die gross sind haben sie nichts zu bieten und ein anderer Reisender berichtete spaeter das an diesem Morgen nur zwei Jungtiere zu sehen waren – haette ich auch Tauben auf der Markstaette beobachten koennen!!)…

In Cabanaconde (der Ort von wo man in den Canyon absteigt) besorgten wir noch Trinken und Bustickets fuer den Folgetag, was uns den Anschluss an die wenigen Gruppen kostete, die ebenfalls in den Canyon abstiegen. Also auf eigene Faust los und durchfragen, was mich innerhalb von kuerzester Zeit an Japan erinnerte, denn jeder wusste wo es lang ging, aber die gezeigte Richtung war immer unterschiedlich. Boeser Fehler also: 3 Stunden ueber Stock und Stein, Aecker, Flussbete, Mauern, imaginaere Wege, Abgruende, Wasserfaelle, Talsenken – nur: kein Weg!! Und ploetzlich hatten wir das Glueck einem Bauern zu begegnen (der erste Mensch in den letzten Stunden – wir hatten uns schon auf eine Uebernachtung in der Wildniss eingestellt), der uns den Weg zeigte – grandios. Ab in den Canyon also (ca. 1300 Hoehenmeter) um noch vor der Dunkelheit anzukommen. Und unten (und das ist die Besonderheit vom Colca Canyon) wartete eine sprichwoertliche Oase (Oasis/Paraiso), wunderschoen mit einfachen Bambushuettchen und Faku, dem Besitzer, der sie uns fuer 6 Soles (1,50 Euro) verscherbelte (das Wasser kostete genauso viel). Ein lustiger Abend mit internationalem Flair (USA-Emma, Deutschland-Sarah, Tuerkei-namenlos, Israel-namenlos) und Lagerfeuer folgte, bevor es am Morgen in aller Fruehe (wegen der Sonne) und mit viel Schweiss wieder nach Cabanaconde hochging (waren zu (ehr)geizig fuer den Esel) um danach im Andalucia-Bus in 5 Stunden nach Arequipa zurueckzuheizen (jetzt noch zitternde Knie von den vielen ungesicherten Kurven mit 300m Abgrund und einer Schraeglage, die einen wunderbar in eben diesen reinschauen laesst).

Cotahuasi-TripEine Woche spaeter (1-5. November) hiess es es: Colca, schoen war’s – jetzt Cotahuasi!! Die Protagonisten: Ein Haufen von Deutschen kombiniert mit ein paar Peruanern (insgesamt 16), die meisten vom deutsch-peruanischen Stammtisch in Arequipa (welcher sich als durchaus lohnenswerte woechentliche Institution herausstellte). Am Donnerstag nach Halloween, am peruansichen Tag der Toten (Allerheiligen), ging’s los mit einer 12-Stunden Busfahrt ueber Nacht auf unbefestigter Strasse (Dirt Road). In aller Fruehe erreichten wir Cotahuasi (zugleich auch einer der Orte am Canyon) und blockierten sogleich ein komplettes Hostal fuer uns. Heidi und Kike, die wunderhaften Organisatoren des Trips hatten sich im Vorfeld um alles gekuemmert und organisierten uns jetzt auch gleich noch ein Combi, dass uns Stunden spaeter (nach ein paar Stunden Schlaf und Fruehstueck) in den Canyon runterfuhr, von wo aus wir zu den Sipia Wasserfaellen wanderten. Human fuer den erste Tag, jedoch gab das Combi auf dem Rueckweg den Geist auf und beschwerte uns 3 Stunden Extra-Wanderung. Natuerlich bewiess die Gruppe ihren Abenteuer-Charakter und organisierte fuer den Abend gleich das naechste Combi fuer die famosen heissen Quellen zwischen Cotahuasi und Alca, wo wir 3 Stunden lang die mueden Koerper mit Pisco, Ron und Agua Caliente reinigten. Die Haertesten unter uns (ja, ich war dabei!!) kombinierten dies mit dem Rio Frio, der direkt nebendran vorbeilief und ueber einen komplizierten Steine-Sand-Parcour zu erreichen war. Mitten in der Nacht zurueck nach Cotahuasi, am naechsten Tag weiter nach Alca, um dort ein neues Hostal (die beiden Noras, Simon, Authari und ich bekamen die Garage) zu beziehen. Alca ist ein kleines Dorf – ein Hostal, ein Restaurant, drei Tante-Emma-Laeden, das Rathaus und fertig. Alca bescherte uns eine wunderschoene und halbwegs anstregende Wanderung auf ein Zwischenplato mit einem touristisch unberuehrten Indio-Dorf und noch einen weiteren Trip auf einen weiteren Berg mit wunderschoener Aussicht (Mirador) auf den Canyon. Am Abend waren die meisten fix und fertig, nur unsere Garage war noch motiviert, noch einmal die heissen Quellen in Angriff zu nehmen – diesmal ohne Kombi, denn um 10 Uhr Abends war aufgrund doerflicher Fiesta der oertliche Combifahrer nicht aufzutreiben. Also halbe Stunde in absoluter Dunkelheit (hier gibts keine Laternen) wandern um dann eine weitere halbe Stunden lang den “Bademeister” rauszuklingeln, -klopfen und -rufen. Das Ergebnis dieser Aktion: Eine 6-stuendige unvergessliche Termalbadnacht unter freistem Sternenhimmel mit “Wasserspielen”, kalten Flussausfluegen, Schwerverletzten ;), viel Spass und guten Gespraechen, natuerlichen viel Ron(=Rum) + Cola und einer uebermuedeten Garagen-Truppe am naechsten Morgen. Dieser Tag versprach dann noch chillen am Fluss mit Volleyball und abenteuerlichen Brueckenueberquerungen. Ein toller und wunderhafter Trip mit lustiger 12-stuendiger Rueckfahrt nach Arequipa. Danke an alle (Heidi, Kike, Jorge, Cesar, Franziska, Nora, Nora, Simon, Authari, Mariana, Katrin, Nadine, Christian, Steffi und einem mehr) – unvergesslich!! (Update: Andreas!!)

Jörg Denkel

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Comments (2) Write a comment

  1. Schön wieder von Dir zu lesen:-) Deine Abenteuer klingen ja echt spannend und aber auch nach Peru;-)

    Liebe Grüße
    Deine Antje

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  2. hola chico,

    auch wenn einem der LonelyPlanet manchmal in – dank übermässiger Werbung – qualitativ schlechter gewordene Backpackers schickt; so bewahrt er doch vor manch grossen Touristenfallen !

    Aber – ist überteuerte Preise zu zahlen nicht auch ein bischen Entwicklungshilfe?

    be calm
    stay tuned
    and wait for the signs….

    alby

    Reply

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