Weiße Nächte und tanzende Elfen

Schweden ist vorueber. Die letzten Monate sind zuegig ins Land gezogen, zeitweise mit einem Affenzahn. April, Mai, Juni, Juli, August, September. Midsommaren (der Mittsommer) ist sicherlich eine der bekanntesten schwedischen Traditionen – und gleichzeitig der längste Tag des Jahres. Am Midsommardag schaute spontan noch einmal die Sonne am späten Nachmittag vorbei, nachdem es zuvor tagelang geregnet hatte. So ist es wohl immer, wenn man den Schweden glauben darf. Auch soll die Mittsommernacht magisch sein – mit tanzenden Elfen und versteckten Trollen hinter Bäumen. Wir verbrachten den Nachmittag mit einer kleinen Meeresspritztour und spaeter mit meinem Korridor-Mitbewohner Hakan und seinen Freunden in einem wunderschoenen Sommerhaus an der Ostsee, ganz nahe am suedlichsten Punkt Schwedens – mit viel Essen und ein wenig Schnaps, so wie es die Schweden lieben – sicherlich ein weiterer Hoehepunkt meiner Skandinavienzeit.

Die langen Tage waren faszinierend. Ewige Sonne, selbst im suedlichen Lund. Es wurde nicht mehr richtig dunkel, was die Schweden auch weisse Naechte nennen. Aber die Extreme schlauchen, man wird muede, besonders mit 30 Grad im Zimmer um 5 Uhr morgens und vobeifliegenden Ballons am Fenster um 23 Uhr abends. Die Dunkelheit im Dezember und Januar hatte schon bewiesen, dass Depressionen durch Mangel an Sonnenlicht durchaus als realistisch einzuschaetzen sind – das Gegenteil mit Sonne ist allerdings auch nicht ohne und fuer mich auf Dauer definitiv kein Ideal. Der Durchschnitt beweisst einmal mehr seine Qualitaeten.

Gleichzeitig ist Mittsommer gleichzusetzten mit Ferien in Schweden – auch mit Semesterferien. Lund stirbt aus – urploetzlich und mit voller Wucht. Nur noch wenige Doktoranden und eben auch Master-Studenten tummlen sich in der Stadt, die meisten mit ihrer Arbeit beschaeftigt. Und ja, die Thesis forderte ihren Tribut, und damit verbunden vor allem viel Selbstdisziplin…

…es waren aber noch schoene Sommermonate in Schweden, kombiniert mit eben genannter Selbstdisziplin, einigen lieben Besuchen, tollen Grillabenden, famosen Sonnenuntergaengen, tuerkisenem Meer, einem naturverbundenen Abschlussroadtrip durch Norwegen und Schweden (siehe naechster Beitrag) und viel Zeit zum Nachdenken – ueber das Leben und was so folgt darin.

Schweden, es war schoen, sehr schoen mit Dir…

Jörg Denkel

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