New Zealand (Auckland – Wellington)

Und mal wieder den Versuch zu unternehmen, aus dieser immer chronologischer werdenen Erzaehlmanier auszuscheren:

Wie reise ich eigentlich?! Auto, Bus, zu Fuss, per Anhalter? Wenn Bus, welche Art von Bus? Allein, zu zweit, in der Gruppe? Hab bisher wenig darueber geschrieben. Darum mal ein kleiner Zwischenbericht nur ueber diese Thema.

Und ich kann gleich sagen, es kommt alles in meiner bisherigen Reise vor…

Das Northland, welches unten schon ausfuehrlich durchleuchtet ist, war ein bunter Mix aus Bus, trampen (welches man hier hitchen nennt, da trampen wandern ist), Mitfahrgelegenheiten (der englische Millionaer) und laufen. Hauptsaechlich allein, mal zu zweit, mal zu dritt – alles kam vor.

Und nun war ich wieder in Auckland. Ich wusste aus Erzaehlungen, dass die Suedinsel schwierig ist zum trampen. Daher schied das schonmal aus. Auto mieten auch, zu teuer. Und es gibt diese Busse, welche mehr sind als nur normale Busse. Kiwi Experience, Magic, Stray und wie sie alle heissen. Sie bieten Dir eine vorgegebene Route mit vorgegebenen Stopps, taeglich darauf fahrenden Bussen und die Moeglichkeit, ab- und aufzuspringen wann immer man will.

Kiwi Experience hatte keine guten Ruf (junges, saufendes Englaenderpublikum – daher auch nur als Partybus verschrieen), Magic war mir auch nicht geheuer, Stray jedoch hatte in meinen persoenlichen Umfrageergebnissen gut abgeschnitten. Alternativ, abseits der Touristenpfade und eher der Natur zugewandt. Zeit nun, um es ausfuehrlich zu testen – auf der Nordinsel (um das optimale Transportmittel fuer die Suedinsel zu finden). Das Transportmedium fuer die Nordinsel war daher ein Bus, von welchen ich ab- und wieder aufspringen konnte, wann ich wollte.

Bzgl. meinen weiteren Reisearten und einem Gesamtfazit spaeter mehr. Nun erstmal kurz ein Ueberblick ueber meine Stationen und Erlebnisse auf dem Rest der Nordinseln – sprich, alles suedlich von Auckland runter bis Wellington, der Hauptstadt von Neuseeland:

Es fing mit einem verpeilten Busfahrer (Stray) an, welcher mich an einer Strassenecke in Auckland aufgabelte – er hatte seinen ersten Tag wie sich spaeter herausstellen sollte. Hatte allerdings nicht viel von ihm und der neuen Gruppe, in die ich hineinkatapultiert wurde, da ich mich 2h spaeter schon wieder verabschiedete. Ich hatte mich bei Bruce und Merri, dem neuseelaendischen Paar, welches ich auf den Fidjis kennengelernt hatte, zum Besuch angemeldet (aufmerksame Leser ziehen jetzt Parallelen zum letzten Neuseelandbericht). Hatte geplant, einen Tag in Hamilton zu bleiben, in einem Hostel in der Stadt zu uebernachten und am folgenden Tag wieder auf den naechsten Bus aufzuspringen. Wie so oft wurde der Plan durchkreuzt, ich bekam mein eigenes Zimmer und die unmissverstaendliche Erklaerung, dass ich verdammt willkommen bin und eine Mindestdauer von 2 Tagen durchaus erwartet wird. Nun gut, ich buchte einen spaeteren Bus, konnte aber auch diesen nicht nehmen, da ich am Morgen meiner Abreise (nach 3 genialen Tagen zwischen Rehen, Kuehen, Venison, Beef, Familieneskapaden, Visionen der Familie und einfach viel Gastfreundschaft) noch hoechstpersoenlich nach Raglan, meinem naechstem Stop und auch dem Stop des Buses, gebracht wurde. Und dar ich Gefallen daran gefunden hatte, gegen den Strom zu schwimmen, mietete ich mich nicht im Surfer Hostel (Raglan liegt an der Westkueste der Nordinsel, ist winzig und nett und gilt nebenbei als eines der besten Surferoertchen in Neuseeland), welches auch von Stray angesteuert wird, ein, sondern in einem mir zuvor nahegetragenen, kleinen, gemuetlichen und familiaeren Hostel direkt am Wasser. Hatte nur eine Nacht dort, doch wenn ich heute an Neuseeland zurueckdenke (und wieder merken aufmerksame Leser, dass ich im Moment, jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, schon in Australien sitze), ist Raglan ganz oben mit dabei, was nicht zuletzt an Sina liegt, die ich dort kennengelernt habe. Bis heute haelt sie den Rekord in Sachen Naehe, nicht vom Kontakt her, sondern vom Wohnort – Ueberlingen. Eine liebe Person, mit der ich mich innerhalb kuerzester Zeit sehr gut verstanden habe (kommt nicht oft vor).

Am naechsten Morgen ging dann die eigentliche Reise los. Stray holte mich als letzten ab, der Busfahrer war ein anderer (Roger – ein Unterschied wie Tag und Nacht – er schaffte es, mich in die Gruppe innerhalb von 10s zu integrieren) und der naechte Anlaufpunkt waren die Waitomo Caves, bei welchen man Gluehwuermchen recht gut und teuer bestaunen kann. Doch der Bus kollabierte, bescherte und einen verlaengerten Aufenthalt in Waitomo selbst und zeigte gleichzeitig, dass dieses Dorf ansonsten nichts, aber auch garnichts anderes zu bieten hat – die Wuermer reissen’s raus.

Am Abend verspaetet zum Hahei Beach (Coromandel – oestlich von Auckland), im Dunkeln am Hot Water Beach rumgebuddelt und in heissen Stoemungen, die unterirdisch durch den Strand verlaufen, gebadet, am naechsten Morgen (Chronologisten moege gesagt sein – wir haben den 23.Okt’04) per Kayak den Cathedral Cove Beach besichtigt und weiter ueber “Hobbiton” – hier steht die private Farm, welche als Set fuer die ganzen Hobbit-Haeuser diente und aus welcher heute, obwohl fast nicht mehr steht, unheimlich Kapital geschlagen wird – nach Rotorua, einer Stadt die in erster Linie durch ihren Geruch auffaellt (Schwefel), vulkanischen Aktivitaeten (daher der Schwefel) und maorischen Praesenzen (richtig, das sind die Ureinwohner Neuseelands). Daher auch ein “Cultural Stop” am Abend, mit typischen Hangi (traditionelles Maori-Essen, wo alles in Blaettern eingewickelt mit Kohle in die Erde eingebuddelt wird und danach recht passabel schmeckt), wobei dieses erst verzehrt werden durfte, nachdem wir unsere Teller aus Blaettern selbergeflochten hatten, welches wiederum manche aufgrund Unbegabung nahezu um ihr Essen gerbacht haette. Meine Unbegabung hielt sich in Grenzen, manch ein Maedchen behauptete sogar, ich haette den schoensten Korb geflochten, was ich jedoch aufgrund meiner Bescheidenheit jedesmal energisch zurueckwies.

Der naechste Tag startete mit “White Water Rafting”, wobei die Strecke den hoechsten komerziell befahrenen (oder bepaddelten) Wasserfall der Welt beinhaltete – irgendwas wird immer gefunden, womit die Leute angelockt werden. Bilder gibt es gezippt uebrigens hier als Zip-Datei downzuladen (8 MB). War nen Spass und gleichzeitig meine letzte “Activity” in Neuseeland – zu teuer das alles.

Rotorua den Ruecken gekehrt danach, auf nach Taupo, eine Stadt, in der unser Busfahrer sich wohlfuehlte. Er zeigte uns gleich in der ersten Nacht seine Lieblingskneipen (alles durchweg gute Empfehlungen), die darin erhaeltlichen “Ski Runs”, welche mir in den folgenden Tagen noch zum Verhaengnis werden sollten, und die Stadt ansich. Ich sprang vom Bus mal wieder ab, genauso wie Andy(ENG), John(JERSEY), Kate(ENG), mit denen ich bis Wellington noch viel Zeit verbrachte und jede Menge Spass hatte. John und ich wollten den Tongariro Crossing (angeblich eine der schoensten Tageswanderungen der Welt) von Taupo aus in Angriff nehmen, standen zweimal um 5:30 auf, nur um dann zu erfahren, dass er wegen schlechten Wetters nicht stattfinden konnte, und verpennten klinisch tot (wir testeten die Bars und die “Ski Runs” am Abend zuvor ein zweites mal) den dritten Anlauf, an welchen das Wetter brilliant wurde. Naja, so blieb Taupo nur wegen der Bars bei mir in Erinnerung.

Vor Wellington war noch ein Stop in Whakapapa Village (wird ‘Fackapapa’ ausgesprochen), einem Skiresort, angesagt. Dort hatte ich mit Nadine das erste mal Kontakt, dem Maedel, mit welchem ich spaeter auf der Suedinsel noch 2 Wochen zusammenreisen sollte. Ich vergab wieder die Chance einen brillianten Tag mit Skifahren einzulegen (der Preis war mir zu hoch – spaeter dann jedoch hoerte ich, dass alles aufgrund Nachsaison nur ein Drittel kostete – da war ich aber schon in Wellington) und steuerte so am naechsten Tag mit dem Stray-Bus und Alicat (unserem neuen Busfahrer) ueber Bulls, dem einzigen Ort der Welt, wo man Bullen-Milch kaufen kann, Wellington entgegen, wo wir am Abend gleich beim Karaoke-Wettbewerb in der Hausbar unseres Downtown-Backpackers versumpften.

In Wellington verbrachte ich 6 Naechte in 3 verschiedenen Backpackern, hatte nette Tage mit Andy, Kate und Jasper (einem Hollaender) und erkundete die Stadt und das Nightlife, wobei ich zum Schluss kam, dass die Tuersteher des Coyote-Clubs die assigsten von ganz Neuseeland sind. Das Parlament feierte Geburtstag, meine Haare wurden zu lang, ich traf das erste Mal Felix (ich traf ihn noch 4 weitere Male auf der Suedinsel), besuchte das Te Papa Museum (Auckland und Wellington haben exzellente Gratis-Museen zu bieten), verbrachte meinen beiden letzten Tage auf der Nordinsel in der Moana Lodge zum erholen, steuerte am 3.Nov’04 mit der Faehre auf Picton zu, bekam unterwegs die SMS von Sina, dass sie gerade in Wellington eingetroffen ist und aufgrund des lauten Schreies, den ich mitten auf dem Schiff in diesem Moment ausstiess, tippte mir Nadine auf die Schulter, die mich dadurch wiedererkannt hatte…

…verruecktes Ende der Nordinsel…

Jörg Denkel

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