New Zealand (Northland)

Heute morgen hab ich nun Auckland entgueltig den Ruecken gekehrt. Im Moment sitze ich in Hamilton (2h suedlich von Auckland) in einem Internetcafe und warte darauf, dass es 3pm wird, damit Bruce (nicht Willis!) mich abholt. Bruce und Meri sind ein neuseelaendisches Paar, welche ich auf einer der Fiji-Inseln kennengelernt habe. Sie wollen mir unbedingt ihre Deer-Farm zeigen. Und ich freue mich schon drauf, denn mit Locals bin ich gern zusammen.

Aber da waren ja noch drei Wochen davor, nachdem der Pilot in Auckland so ruppig das Neuseeland-Abenteuer begonnen hatte. Und es waren drei Wochen ein bunter Mix aus Auckland (welche auch schon relativ weit im Norden liegt) und dem sich noerdlich davon befindenten Northland.

Aloe Tree Backpacker, meine Unterkunft in Auckland, bzw. in Parnell, einem Vorort von Auckland. Endlich mal ein Hostel, wo das Internet nichts kostete, welches familiar, klein und gemuetlich war und in welchen ich mich eine Weile niederliess um erstmal anzukommen (es wurden natuerlich mal wieder mehr Tage als gedacht – 5 an der Zahl).

Auckland, dass ist eine Stadt, welche vom Gebiet mit den ganz grossen der Welt mithalten kann, jedoch trotzdem grad mal 1 Millionen Einwohner hat, gleichzeitig aber die groesste Stadt Neuseelands ist – mit Abstand (fuer die Interessierten: Es folgen Christchurch, Wellington, Hamilton, Dunedin). Jeder Traveller den man trifft, sagt einem, dass man sich nicht zu lange dort aufhalten soll. Zurecht. Auckland ist nett, schoen, gross fuer Neuseeland, aber das wars. Ich war froh ausserhalb gewohnt zu haben. Ein paar Tage schoen und gut, klasse Nightlife – Neuseeland jedoch bietet soviel mehr und soviel schoeneres an anderen Flecken. Darum – auf ins Northland.

Montag Morgen (4.Okt’04) ging es los. Mehr oder weniger per Zufall sass ich mit Astrid im Bus Richtung Whangarei (ist immer gut ne Karte neben sich zu haben, gell!!!). Dort angekommen wollte ich mir eigentlich einen Backpacker suchen (hatte natuerlich mal wieder nichts im Voraus organisiert), doch das Farmerehepaar, welches Astrid zu Ihrem Praktikum abholte, lud mich kurzerhand fuer einige Tage auf Ihre Farm ein – ein gluecklicher Zufall! Wann bekommt man jemals schon so eine Chance.

Es waren 3 schoene Tage, die frueh morgens um 5.30 Uhr begannen (jawohl Kollegen – braucht nicht glauben, dass ich hier Urlaub mache! – ueberhaupt, in meinen bisherigen 10 Wochen habe ich gerade 3x richtig ausgeschlafen…), Kueher zusammentreiben, Kaelber fuettern, Lamm aufpaeppeln, Spaziergaenge ueber die 250 Hektar grosse Farm enthielten – und das absolute Highlight: Possum schiessen (und am naechsten Tag haeuten!). Waere gerne laenger geblieben und die Moeglichkeit bestand auch – aber ich habe inzwischen den Dreh raus mit “Aufhoeren wenn’s am schoensten ist!”.

Es folgten Pahia, die Partystadt des Nordens, mit 2 Tagen Dauerregen. Nebendran (30min zu Fuss – mir bleibt ja nichts anderes uebrig) befindet sich Waitangi, historisch wichtig in Neuseelands Geschichte, da hier 1840 die Haeuptlinge der verschiedenen Maori-Staemme die Souveraenitaet der britischen Krone anerkannten (sprich Neusseland war ab diesem Zeitpunkt eine britische Kolonie) und schriftlich im Vertrag von Waitangi festhielten. Da jedoch die Uebersetzung in der maorischen Sprache ein wenig anders war (wie man heute weiss), gibt es immernoch heisse Diskussionen, wem jetzt was gehoert bzw. ob ueberhaupt alles rechtens war. Zurueck zu Pahia, 2 Tage Dauerregen wie gesagt, daher weiter nach Kohukohu ins sagenumwobene Treehostel. Ueberhaupt, ab diesem Zeitpunkt reiste ich nur noch von Hostel zu Hostel, nicht mehr von Stadt/Dorf zu Stadt/Dorf. Ein Rating im neuseelaendischen Backpacker-Guide zeigt einem recht zuverlaessig die Groesse und Bewertung der einzelnen Hostels auf. Ich schaue eigentlich nur noch auf Groesse (nicht mehr als 30 Betten) und Prozentzahl (mehr als 85% – ab 90% ist natuerlich top) und schon wird gebucht und das naechste Ziel der Reise steht. Treehostel – 94% – dies war der Grund. Nur lag es mitten im Wald im Nirgendwo (der Name ist schon richtig gewaehlt). Fuer mich war es daher Zeit, das Trampen (bzw. hitchen wie man es hier nennt) anzufangen. Klappte wunderbar (ist nebenbei auch noch unschlagbar billig) und schon war ich mitten im Nirgendwo in einem Ruhepol bei Phil und Pauline, den beiden Eigentuemern, welche mich gleich am ersten Abend mit in die Zivilisation nahmen, wo mir einen wunderbaren musikalischen Abend im Dorfcafe (die ganzen Freunde konnten so ziemlich jedes Lied mit einer Kombination aus Gitarre, Geige und Waschbrett spielen) verbracht haben.

4 Tage spaeter wanderte ich 5 Stunden bei sengender Sonne ueber den Asphalt um nach Norden weiterzukommen. Das erste Auto nach vier Stunden fuhr vorbei, das zweite nach fuenf Stunden stoppte und nahm mich mit nach Kataia, von wo ich weiter nach Ahipara trampte, einem kleinen Dorf direkt am Strand (Westkueste – tasmanische See), wo die Endless Summer Lodge liegt, einem weiteren 94% Hostel, und dies zurecht. Ein altes Kauri-Haus (Kauri ist hier ein ewig cooler und haltbarer einheimischer Baum) mit grosser Veranda zum Meer hin, geschmackvoll eingerichtet und einfach nur schoen um auszuspannen, schreiben, lesen, spazierengehen, Leute treffen oder was einem auch immer vorschwebt. Von hier unternahm ich auch den Ausflug nach Cape Reinga, dem noerdlichsten Punkt von Neuseeland (zumindest fuer Touristen), welcher ueber den ewig langen 90 Mile Beach fuehrt (ja richtig, man faehrt mit dem Auto ueber eine Stunde den Strand entlang). Dort oben treffen der Pazifik und die tasmanische See aufeinanderm, erzeugen bis zu 10m hohe Wellen und beeindrucken einfach.

Nick, ein vor kurzem nach Neuseeland immigrierter Englaender (also faktisch eigentlich kein Englaender mehr) und Millionaer (das hab ich allerdings erst spaeter rausgefunden) nahm mich entlang dem Scenic Drive (sind die touristischen Kuestenstrassen mit fabelhaften Aussichten) in seinem klimatisierten und lederbezogen extra aus England verschifften BMW mit nach Kerikeri, wo wir eine Nacht das nicht vorhandene Nightlife testeten, dann wieder Pahia (diesmal Sonnenschein), ein Tagesausflug nach Russel, dem alten Walfaengerstaedchen schraeg gegenueber von Pahia und die laengst ueberfaellige Rueckfahrt nach Auckland, welche am Freitag, den 16. Oktober 2004 stattfand, und mich wieder mitten in das pulsierende Leben einer Millionenstand zurueck katapultierte.

Anni, Lea, Bernard, Moni, Carmen – das Aloe Tree, in welches ich zurueckkehrte war von Deutschen besetzt. Ich hatte englische Tage hinter mir und nahm es dankbar an. Nie zuvor auf dieser Reise habe ich mich mit einer Gruppe so schnell verstanden wie hier. Nach einem gemeinsamen Abend verstanden wir uns so gut, dass fast jeder noch in Auckland verlaengerte und wir so zwei weitere grandiose Abende verbringen durften. Mit Alex, welcher am 17.10 frisch von den Fidjis eingeflogen wurde und die Runde wuerdig erweiterte.

Und nun sitze ich zwar nicht mehr in Hamilton, aber die Geschichte, die ich dort angefangen habe zu eraehlen, ist hier nun zu Ende.

Schoenes Northland…

Jörg Denkel

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