Fiji Islands

Gestern war es vorbei. Nachdem der Pilot der Pacific Airlines die Boeing 737 ziemlich gefuehlslos in die Landepiste des Auckland International Airports betoniert hatte, war das Abendteuer Fiji vorueber. Es waren sehr schoene 11 Tage. Ganz anders als ich mir im Vorfeld vorgestellt hatte…

Gestartet wurde allerdings nach Plan. Nachdem ich am 16.9. Los Angeles gegen spaet verlassen hatte, landeten wir in Nadi (“nandi” ausgesprochen) am 18.9. fruehmorgends um kurz nach 5 Uhr. Das Zimmer war Gott sei Dank vorreserviert (hatte in San Francisco mal mitgedacht, dass ich wohl morgens um 5 Uhr keine Nerven habe, noch rumzusuchen) und so erwartete mich schon ein Fijianer mit einem “Bula Denkel”-Schild. Den akommenden Touristen spielte eine Band fijianische Gitarrenlieder vor (man beachte, dass es immernoch ca. 5.30 Uhr war) und mir wurde erstmal eine Muschelkette um den Hals gehaengt. Yeah, so stell ich mir die Suedsee vor!! Das Hostel war gut ausgewaehlt, ich konnte schon um 6 uhr morgens einchecken ohne diese Nacht zu bezahlen, es war Nebensaison, relativ leer alles, ein 3er Hollaender Gespann, ein aelteres kanadisches Ehepaar und fuer mich Zeit endlich mal bei koestlichen Abendessen und Pool vor der Tuer zu relaxen.
2 Naechte verbrachte ich bei Mama Selena & Jerry (die Eigentuemerin und der Manager) bevor ich mit Beratungshilfe eben dieser am Montag Morgen die Hauptinsel verliess um auf die Yasawas (eine Inselgruppe im Nordwesten) zuzusteuern. Hier sollten mich eben diese Postkartenstraende erwarten, von welchen alle Touristen ausgehen, wenn sie das Wort “Suedsee” hoeren, welche wiederum jedoch nicht zu finden sind auf der Hauptinsel.

Grosses Boot – weit gefehlt. Es war eine Nussschaale, die mich und ein paar weitere Touristen durch den rauhen Pazifik ins erste Ressort brachte. Octopus hies dieses und war von vorne bis hinten perfekt organisiert und verwaltet. Der Gast kann hier ausspannen, ihm wird alles abgenommen. 3x am Tag muss er sich zum Essensbereich schleppen, das ist das haerteste. Alles andere ist freiwillig. Schnorcheln, Tauchen, Inselwanderungen, Dorfbesuche bei den Einheimischen (sehr liebenswuerdig), am Strand schlafen, Bier trinken, Trampolin springen (Insider). Keiner zwingt einen! :) Der Plan war: Strand, Wasser, Lesen, Schreiben. Daraus wurde: Strand, Wasser, Quatschen, Trinken. Zu verlockend, dass man alles auf seine Zimmernummer schreiben konnte und erst am Ende (ich hab drei Kreuze gemacht als ich die Rechnung gesehen habe) zahlen musste. Wegen uns sechs Leuten aus dem Dormitory mussten sie immer spaeter das Fruehstueckbuffee wegrauemen (Punkt 9.29 Uhr waren wir da) und immer laenger die Bar offenlassen (Tom, ach komm, noch eine Flasche Wein. Pleaseeee. Klasse, venaka!!). Trampolinsessions um 3 Uhr Nachts (warum setzen die auch nen kleinen Kinderspielplatz vor unser Dormitory?!) war nur eine der zahlreichen Folgen.
Was jetzt hier ein wenig wie Mallorca- oder Ibiza-Urlaub klingt, war jedoch keineswegs so. Wir waren 90 Mann in unserem Resort. Und davon waren 30 Touristen, bunt gemischte Nationalitaeten (selbst der Irak war vertreten) und jede Altersgruppe. Allein bei uns im Dorm ging es bis 45 rauf. Eine sich ergaenzende und sehr, sehr interessante Gruppe, die ich da erwischt habe. Es war lohnenswert.

Nachtrag (19.10.2004):

Zweite Station Wayalailai, eine Insel weiter suedlich und zwanzig Minuten mit dem Boot. Octopus-Managerin Maraia warnte mich zwar vor den Unterkuenften dort, lies mich jedoch ziehen. Das hauseigene Octopus-Boot war zwar klein, konnte jedoch nicht bis an den Strand fahren. Ich musste aufs Wayalailai-Resort-Boot (noch kleiner) umsteigen und eigentlich sollte alles geregelt sein – weit gefehlt. Kein Boot auch nur ansatzweise in der Naehe als wir um die Ecke bogen. Es kostete uns ganze 30 min, bis wir die Fijianer aus Ihrem Fiji-Mittagsschlaf rufen konnten (man stelle sich ein Boot fuenfzig Meter vom Strand vor, lauter wildwinkende und wildrufende Leute drauf und am Strand ruehrt sich mal garnichts, weil jeder pennt). Man kann sich vorstellen, dass die Octopus-Jungs nicht so wirklich begeistert waren und das laestern anfingen. Vielleicht ist auch das der Grund, warum die einen von den anderen abraten. Nichtsdestotrotz – ein schoenes Resort. Einfacher, jedoch nicht unbedingt schlechter. Big Jerry, der der lustige Faktor der Insulaner war, Bula-Dance, Happy Hour, Nationalhymnenkontest – es erinnerte mich den ersten Abend ein wenig an einen Club-Urlaub mit jeder Menge Animation und dies war nicht wirklich das, was ich wollte. Aber schon am naechsten Tag waren wieder traditionelle Kavarunden mit Gitarrenmusik auf dem Tages- und Abendprogramm, kombiniert mit einem neuen Schwung netter und auch interessanter Menschen. Und dies war auch der Grund, warum ich letztendlich vier Naechte blieb und nicht noch nach Kuatar (eine Nachbarinsel) ruebersteuerte, bevor es wieder aufs Festland (bzw. die Hauptinsel) ging. Vier Naechte und fuenf Tage, die gepraegt waren von
(A) Wetterumschwuengen, welche den einzigen Generator der Insel zeitweise ausser Gefecht setzten und uns so im Dunkeln sitzen liessen, gleichzeitig durch starken Wind verdammt hohe Wellen erzeugten, was wiederum dazu fuehrte, dass mein zweites Schnorchelerlebnis in ein wirkliches Erlebnis mutierte…
(B) Wandertouren, wo ich bei der ersten Tour noch mit Guide den hoechsten Punkt der Insel bestieg, bei der naechsten Tour allerdings schon selbst der Guide war und eine Gruppe von sieben netten Menschen nahezu ins Verderben lockte (dafuer haben wir den wirklichen hoechsten Punkt entdeckt)…
(C) Gespraechen – man mag es nicht glauben, aber ausgerechnet auf dieser Suedseeinsel fand ich eine liebe Muenchnerin mit interessanten Meinungen, zwei “noisy bird”-Englaenderinnen (denen ich vor ein paar Tagen im Norden von Neuseeland wieder ueber den Weg gelaufen bin), eine umwerfende und wortgewandte Schwedin, die ich wohl in Adelaide nochmal besuchen werde, einen kanadisch-chinesischen Jungen, welcher die Fijis intensiv erkundete und als einziger im Zelt wohnte (deswegen wurde grundsaetzlich aller Alkohol aufs Zelt angeschrieben – fand er nicht so witzig), drei Belgiern, welche sich als erste Schmuckkunden von Felicitas (der Muenchnerin) erweisen sollten und noch jede Menge Fijianer (sogar einer, der mir Gras verkaufen wollte – vielleicht liegt’s inzwischen an meinen etwas laengeren Haaren…?!)…
(D) Abschieden – nirgends anders auf dieser Reise bisher, fielen mir Abschiede von gewissen Personen so schwer. Ein Phaenomen, welches ich immernoch versuche zu ergruenden, da ich eigentlich dachte inzwischen daran gewoehnt zu sein. Aber vielleicht auch ein gutes Zeichen. Gefuehle scheinen zurueckzukommen, Gefuehle, bei welchen ich eigentlich dachte, dass sie in Deutschland haengengeblieben sind.
Wie schon angedeutet, ich war der letzte und auch mit der einzige, welcher wieder Richtung Festland wollte. Und wie ebenso angedeutet – da war dieser Wind, der so ziemlich stark war. Aber das Risiko war zu gross, noch einen Tag zu warten. Vielleicht wuerde am naechsten Tag kein Boot fahren, weil es zu stuermisch waere. Und an diesem Tag(27.9.04) fuhr dieses Boot. Eine Leidensgenossin hatte ich, Sarah von den Belgiern, sie musste an diesem Tag nach Lautoka zu einer Vorlesung der dortigen Universitaet. Also, zusammen ist man ja staerker – darum rauf aufs Boot (das war wieder eine dieser “von einem saukleinen in ein kleines Boot”-Umstiege) und ab damit. Wellen so hoch wie “…” (hoch halt einfach) und alle, die das noch nicht durchgemacht haben, koennen sich es folgendermassen vorstellen: Das Boot ist recht schnell mit zwei Aussenbootmotoren (die ab und an mal aussetzen – aber das ist ein anderes Thema). Wenn jetzt 10 normale Wellen und danach eine hohe Welle kommt (ja, die sind leider noch nicht genormt), sollte der Kapitaen (hatten wir sowas!?) etwas vom Gas gehen. Ansonsten stoesst er zutief in die Welle rein, das Boot wird (da es ja immernoch aus Holz ist und ansatzweise schwimmt) in die Hoehe katapultiert und landet im nachfolgenden Wellental (schlagt micht, ich weiss, da gibt es garantiert irgend nen Fachbegriff – und ja, ich bin vom Bodensee, hab aber trotzdem keine Ahnung wie das heisst) mit einem lauten Krachen, Aechzen und Ruetteln. Wie als ob man mit einem Auto ueber eine Sprungschanze faehrt. Und das jede 10 Sekunden. Nahezu eine Garantie, um seekrank zu werden (Sarah nach 15, zwei Fijianer nach 30 min), und ich weiss bis heute nicht warum ich es nicht wurde (*klopf auf die Schulter*). Das ganze 2h!!! Besser als jede Achterbahn, aber ich hab noch keinen erlebt, der im Europapark 2h Silverstar gefahren ist. Achja, zum Abschluss: Ich hab einige Tage spaeter im “Fiji-LonelyPlanet” in etwa folgenden Satz gelesen: “Don’t go by local boats of the fijian resorts – many of them sank in the past”. Dieser Satz bedarf eigentlich keiner weiteren Worte mehr.

Und so liess ich das Fiji-Abenteuer nach einem Ausspanntag bei Mama Selena & Jerry im Tropic of Capricorn langsam ausklingen, um am 29.09.2004, wie schon oben erwaehnt, unsanft in Auckland zu landen.

Jörg Denkel

...

Comments (3) Write a comment

  1. Super Bericht!! und auch was zum schmunzeln, man kann sich´s echt gut vorstellen!

    lieben Gruß
    Antje

    Reply

  2. Hi Du!

    Sag, mal, was ist das denn für en link unter “bald mehr” ? Ist der von Dir da eingefügt???

    Lieben Gruß
    Antje

    Reply

  3. Klasse Storys… das mit dem Schnorcheln und auch die Tour ins beinahe-Verderben auf den höchsten Punkt würden mich noch brennend interessieren…
    Grüsse, Felix

    Reply

Leave a Reply

Required fields are marked *.